internationalnucleareventscale7

Icon

power – strom und macht

Tschernobyl ist überall – Tschernobyl is everywhere

05.08.2011

Susanne Gerber
Samstag, 26. April 1986, 1 Uhr, 23 Minuten, 40 Sekunden. Im Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl explodieren 180.000 Kilogramm hochradioaktives Material aus dem Inneren des Reaktors. Das entspricht der Menge von 1.000 Hiroshima-Bomben… Als die ferngesteuerten Maschinenroboter, die u.a. das Dach von den Graphitblöcken reinigen sollten (…) wegen der hohen Radioaktivität nicht funktionierten, wurde eine riesige Armee menschlicher Roboter eingesetzt, die Liquidatoren (…) Viele Liquidatoren, schätzungsweise zwischen 50.000 bis 100.000, sind gestorben, und 90 Prozent von ihnen sind schwer erkrankt. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet das: 540.000 bis 900.000 junge Männer sind infolge von Tschernobyl schwer erkrankt.[1]

Der »größte anzunehmende Unfall« (GAU), der laut Atomindustrie einmal in 1.000.000 Jahren passieren könnte, ereignete sich gerade einmal 15 Jahre nach der Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes in Tschernobyl. Er hat die »Restrisiko«-Logik auf tödliche Weise ad absurdum geführt – und Hunderttausenden von Menschen das Leben zerstört bzw. gekostet.

Dieser GAU hatte nicht nur tödliche Strahlung »frei«gesetzt. Auch die absurde Konstruktion von der »friedlichen Nutzung der Kernenergie« und die sie tragende Große Koalition aus Politik, Wirtschaft und Militär standen kurz vor dem Abgrund.

Die für tot erklärte Anti-AKW-Bewegung kehrte zurück auf die politische Bühne.

Trotz vielfältigster Aktionsformen und einer nie da gewesenen politischen Breite, von Naturschützern, Umweltorganisationen, Untergliederungen von Regierungs- und Oppositions-Parteien bis hin zu autonomen Gruppen gelang es der Anti-AKW-Bewegung bis dahin nicht, das Atomprogramm einschneidend zu gefährden. Die breite Ablehnung der Bevölkerung gegenüber der Atompolitik schlug nicht in eine Krise der politischen Repräsentation um.

Im Gegenteil: Politisch setzte die Große Koalition der Atomkraftbefürworter auf Spaltung der Bewegung, in Gewaltfreie und Gewalttätige. Damit einher ging eine wachsende Repression, die sich der Grenze militärischer Eskalation näherte: Der Bundesgrenzschutz/BGS wurde erstmals zur Niederschlagung politischer Auseinandersetzungen im Inneren eingesetzt: Zug um Zug verwandelte sich der BGS in eine paramilitärische Option gegenüber dem radikalen Teil der Anti-AKW-Bewegung: Schützenpanzer, BGS-Hubschrauber und BGS-Einheiten gehörten fortan zum ganz normalen Erscheinungsbild staatlicher Macht.

Die zwischen Neubestimmung und Resignation schwankende Anti-Akw-Bewegung wurde von den Ereignissen nach Tschernobyl überrollt und mitgerissen: Hunderttausende demonstrierten in zahlreichen Städten der BRD. Auf unglückliche Weise löste der GAU in Tschernobyl die schon lange erhobene Forderung: »Weg von den Bauzäumen, zurück in die Städte« ein. In Frankfurt demonstrierten 10.000 gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Jede Art von Gemüse flog durch die Scheiben des Rathauses. Am 8.11.1986 demonstrierten über 20.000 Menschen gegen die Atom-Firmen Alkem/Nukem in Hanau. Produktionszentrum für nukleare Brennstoffe, die sowohl für Atomkraftwerke als auch für Atomwaffen genutzt werden können – Inbegriff des fließenden Überganges von ziviler zur militärischen Nutzung der Atomenergie. Der Friedensforscher Robert Jungk beendete seine Rede vor den Toren von Alkem/Nukem mit den Worten: »Macht kaputt, was euch kaputt macht.« und bis Ende des Jahres wurden knapp 100 Strommasten umgesägt… Plötzlich schien es möglich zu sein, die Friedensbewegung zu radikalisieren und die Anti-Akw-Bewegung zu verbreitern, gesellschaftliche Verankerung und politische Zuspitzung miteinander zu verbinden. Nicht nur den AKW-Betreibern, auch den politisch Verantwortlichen war klar, dass das Atomprogramm auf der Kippe stand.

Schwerer Atomunfall in Geesthacht 1986

Inmitten dieser aufgeheizten Stimmung und politisch äußerst brisanten Lage ereignete sich am 12. September 1986 ein weiterer »Atomunfall«, nicht in der Sowjetunion, weit weg, sondern bei Geesthacht an der Elbe[2]. Auf dem Gelände des staatlichen Forschungszentrums GKSS (früher Gesellschaft zur Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt) kam es zu einem »Brand«[3]. In Folge dieses Ereignisses wurde eine erhöhte Radioaktivität in der näheren Umgebung gemessen. Ein »Brand«, ein (atomarer) Unfall, der bis 2001 geheim gehalten werden konnte.

Alarmiert durch erhöhte Radioaktivität machte die dort aktive Bürgerinitiative zuerst das nahe liegende AKW Krümmel dafür verantwortlich. Die Landesregierung und vor allem Bundesstellen und (Aufsichts-)Behörden nahmen dankbar den Verdacht eines radioaktiven Lecks im AKW Krümmel auf und veranlassten entsprechende Untersuchungen. Weder wurde in ›alle Richtungen‹ ermittelt, noch in eine andere, ausschließlich in die falsche!

Es wurde unterlassen, Bodenproben auf dem Gelände der GKSS, in unmittelbarer Nachbarschaft zum AKW Krümmel gelegen, zu nehmen. Es fanden keine Durchsuchungen auf dem Gelände der GKSS statt. Es wurden keine Unterlagen beschlagnahmt, die die Aktivitäten der GKSS aufzeichneten und »Experimente« dokumentierten. Es wurden keine Mitarbeiter des atomaren Forschungszentrums vernommen…. Selbst das Naheliegendste lag den ermittelnden Behörden völlig fern: Die Einsatzprotokolle und sichergestellten Fundstücke der lokalen Feuerwehr, die einen Brand am selben Tag löschte, anzufordern und auszuwerten.

Die Intensität, mit der falsche Fährten gelegt, offensichtliches unterlassen und belastendes (verstrahltes Material) beiseite geschafft wurde, würde für eine ganze Krimi-Serie reichen:

Der Brand am 12.9.1986 zerstörte nicht nur Fauna und Flora: »Auf einer früheren Luftaufnahme ist dort (ein zwischen GKSS und Kernkraftwerk Krümmel gelegenes Areal, dV.) noch ein Gebäude erkennbar.«[4]

Auf dem Gelände der GKSS befanden sich auch mehrere Strahlendetektoren. Genau dort, wo sich der Unfall ereignete, fiel der Strahlendetektor ›3/9‹ (»Lokalisation: GKSS Tesperlude/Institut für Physik«[5]) über zwölf Wochen aus. Ein entsprechender Registrierungsauszug der Fa. ESN belegt dies eindeutig: »38. -49. KW ungeplante Stationsverlegung nach Brand am ursprünglichen Aufstellungsort.«[6]

»Im Zeitraum zwischen dem 15.9.1986 und dem 14.9.1987 wurden per Lkw ›bestrahlte Brennstabsegmente‹ ins bayrische Karlstein gefahren.«[7]. Bis heute bleiben die Aussichtsbehörden die Antwort schuldig, was es mit dieser Fracht, mit diesen »bestrahlten Brennstabsegmente« auf sich hatte. Das Ziel dieser LKW-Fahrten ist aufschlussreich: In Karlstein/Bayern befand sich ein Zwischenlager für Brennelemente. 1993 wurde dieses atomare Zwischenlager außer Betrieb genommen.

Konzentrierte Untätigung

Die behördliche Unterlassung von Untersuchungen auf dem Gelände der GKSS, die gezielte Untätigkeit der Staatsanwaltschaft, das Unterbleiben eines Ermittlungsverfahrens, das Nichteinschalten des LKA, die verschwundenen Deklarations-Unterlagen über die Transporte ins atomare Zwischenlager Karlstein, die unauffindbaren Protokolle über all das, was in Karlstein »entsorgt« wurde, kann man für eine lückenlose Verkettung von sagenhaften Zufällen halten. Weniger mystisch lässt sich darin der von Robert Jungk skizzierte Atomstaat erkennen. Ein vorsichtiger Versuch, das perfekte Zusammenspiel von privaten Atomfirmen und staatlicher Atomforschung, atomaren Aufsichtsbehörden und (Landes/Bundes)-Regierung, Justiz und Polizei, Staatsschutzbehörden (LKA/MAD) und Militär nicht mit Zufälligkeiten, sondern mit Systematik zu erklären. Das genaue Gegenteil von dunklen Andeutungen und gruseligen Verschwörungstheorien.

Wären ein paar Monate nach Tschernobyl die offiziellen Untersuchungen nicht ausschließlich auf das AKW Krümmel fokussiert, sondern auf das GKSS ausgedehnt worden, wären Spuren und Zusammenhänge ans Tageslicht gekommen, die das Atomprogramm mehr gefährdet hätten, als die wieder an Kraft gewonnene Anti-AKW-Bewegung.

So brauchte es 15 Jahre, bis der Nachweis erbracht werden konnte, dass nicht das AKW Krümmel für die erhöhte Radioaktivität ursächlich verantwortlich war, sondern das ganz in der Nähe gelegene Forschungszentrum GKSS. Viel zu spät entdeckten Wissenschaftler der Arbeitsgemeinschaft für Physikalische Analytik und Messtechnik (Arge PhAM) in der Umgebung der GKSS millimetergroße Kugeln, die weder in der Natur, beim Betrieb eines AKWs, noch bei oberirdischen Atomtests ›abfallen‹. Auf Dachböden und im Erdreich wurden Transurane, u.a. Plutonium-241 und Americium-241 gefunden.

Nachdem alle deutschen Forschungsinstitute unisono eine Untersuchung der Bodenprobe ablehnten, wurde die internationale Sacharow-Universität in Minsk mit der Analyse beauftragt. Das Ergebnis war sensationell und ist  bis heute nicht bestritten: Die nukleartechnischen Kügelchen enthalten die spaltbaren Stoffe Uran, Plutonium-241, Americium-241 und Curium. In der Fachwelt werden sie als »sphere PAC« bezeichnet.

Diese »PAC-Kügelchen« versinnbildlichen auf anschaulichste Weise den zivil-militärischen Doppelcharakter (Dual-Use) der angeblich ausschließlich friedlichen Nutzung der Nuklearforschung: Sie können als Brennstoffe für Hochtemperaturreaktoren genutzt werden. Aufgrund des hoch angereicherten Urans bzw. Plutoniums stellen sie zugleich die entscheidenden Komponenten für militärische Optionen dar.

Diese Entdeckung hätte zum falschen Zeitpunkt fatale Folgen haben können. Erstens: Die notorische Behauptung aller deutschen Bundesregierungen, die Nuklearforschung diene ausschließlich friedlichen Zwecken, hätte widerlegt werden können. Zweitens: Der Nachweis wäre erbracht, dass die Bundesrepublik seit Jahren den von ihr unterschriebenen Atomwaffensperrvertrag gebrochen hat. Drittens: Der »Atomstaat« wäre keine paranoide Vorstellung von Anti-AKW-Gegnern, sondern eine zwingende Konsequenz aus der Tatsache, dass der militärische Charakter der Atomforschung unter allen Umständen geheim gehalten werden muss.

Ex-Ministerpräsident Barschel wollte auspacken – und mußte sterben (wollen)

Das heutige Wissen über einen verschwiegenen Atomunfall auf dem Gelände der GKSS lässt ein weiteres Ereignis in einem möglicherweise anderen Licht erscheinen. Uwe Barschel (CDU) war Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, als sich der Atomunfall in Geesthacht ereignete. Nur ein Jahr später, 1987, standen Landtagswahlen an und der Spitzenkandidat der CDU fürchtete um seine Wiederwahl. Mit dreckigen Tricks versuchte er den Gegenkandidaten der SPD, Björn Engholm zu diskreditieren. Als dies bekannt wurde, seine »Ehrenworterklärung« kein Pfifferling mehr wert war, trat er am 2.10.1987 zurück. Kurz danach machte er zusammen mit seiner Frau Urlaub auf Gran Canaria. Dort erreichte ihn die Meldung, dass ein Untersuchungsausschluss zur »Barschel-Affäre« eingerichtet worden ist. Der Ex-Ministerpräsident zeigte sich erbost und drohte – im Gegenzug – vor dem Untersuchungsausschuss »auszupacken«. Noch auf Gran Canaria vereinbarte Uwe Barschel ein Interview mit der Illustrierten ›Stern‹ in Genf. Reagiert so ein Mann, der nicht mehr weiter weiß?

Uwe Barschel brach seinen Urlaub ab und flog alleine in die Schweiz, nach Genf. Zur selben Zeit flog Werner Mauss, mit seiner Frau und einer unbekannt gebliebenen Person nach Genf. Werner Mauss arbeitete sowohl für den Verfassungsschutz, als auch für den Auslandsgeheimdienst/BND. Tags darauf wurde Uwe Barschel tot in der Badewanne gefunden, als hätte der Herausgeber des Selbsthilfe-Buches »Wie begehe ich Selbstmord ganz sicher«, eine Demonstration abgeliefert. Mit der Umsicht eines Menschen, der keinen Ausweg mehr sah, ließ Uwe Barschel seine Hotelzimmertür offen, damit ein Stern-Reporter das Foto schießen konnte, das den Selbstmord eindrucksvoll belegen sollte…..

»Um 12.51 Uhr (…), ungefähr zwanzig Minuten, nachdem man Barschels Leiche gefunden hat, verlässt die gecharterte Maschine mit dem Ehepaar Mauss an Bord Genf und macht sich auf den Rückflug nach Frankfurt.«[8]

Warum ein Ex-Ministerpräsident nach Genf flog, um dort Selbstmord zu begehen, konnten und wollten die Untersuchungen nicht klären. Die Familie Barschel widersprach jedenfalls der »Selbstmordthese«. Die Untersuchungen Schweizer Behörden wiesen auf deutliche Anzeichen eines Fremdverschuldens hin. Dennoch verliefen alle weiteren Untersuchungen (in Deutschland) im Sand.

Ein ganz normaler Skandal um schmutzige Praktiken, an der Macht zu bleiben, drohte außer Kontrolle zu geraten. Was stand alles auf dem Spiel? Wer befürchtete eine ungewollte Kettenreaktion? Was hätte der Ex-Ministerpräsident alles auspacken können? Bisher war nur von illegalen Waffengeschäften die Rede, in die Uwe Barschel verwickelt gewesen sein soll. Doch was wusste Uwe Barschel als oberster Dienstherr über Projekte im staatlichen Forschungszentrum GKSS, die der Geheimhaltung (wie z.B. Experimente zur Urananreichung[9]) unterlagen?

Das atomare Forschungszentrum GKSS – ein zivil-militärischer Komplex

Nachdem sich der Schwerpunkt der (unabhängigen) Nachforschungen ab 2001 auf das atomare Forschungszentrum GKSS verlagerte, häuften sich abermals die ›Zufälle‹: Im Büro der Feuerwehrzentrale, die den Brand auf dem Gelände der GKSS löschte, brach am 1.9.1991 ein Feuer aus – und vernichtet alle dort gelagerten Unterlagen. Kopien über den Feuerwehreinsatz auf dem Gelände der GKSS ließen sich partout nicht in deren Geschäftsunterlagen finden. Und trotz Bitten und Betteln der Untersuchungskommissionsmitglieder lehnten sowohl die zuständige Staatsanwaltschaft, als auch das LKA die Einleitung (bisher unterlassener) Ermittlungsverfahren ab. Im Fußball ein klassischer Fall von Doppeldeckung. Was in jedem anderen (oppositionellen) Fall für Hausdurchsuchungen, Razzien, vorläufige Festnahmen, Polizeiaktionen unter dem Vorzeichen »Gefahr im Verzug« und bundesstaatsanwaltschaftliche Ermittlungen reichen würde, hatte in diesem Fall organisiertes Stillhalten zur Folge.

Ob es sich bei den gefundenen Transurane um PAC-Kügelchen handelt, ob damit – unter Verstoß des Atomwaffensperrvertrags – mit militärischer Zielsetzung geforscht und experimentiert wurde, hätten die zuständigen Behörden schnell klären bzw. sicher entkräften können:

Die Atomfirma ›Hobeg‹ in Hanau hatte damals die kugelförmigen Brennelemente für den Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop und den Forschungsreaktor in Jülich hergestellt. Ein Vergleich der dort produzierten kugelförmigen Brennelemente mit den Funden in der Umgebung der GKSS hätte jeder Spekulation den Boden entziehen können. Nichts, aber auch gar nichts wurde unternommen.

Auch die Dementis der Landesregierung und aller Bundesaufsichtsbehörden, auf dem Gelände der GKSS habe es gar keinen Unfall gegeben, könnten schnell und eindeutig untermauert bzw. ad absurdum geführt werden. Wenn die »Fachkommission Leukämie« über Luftbilder vor dem 12.9.1986 verfügt, auf denen eindeutig ein Gebäude zu erkennen ist, das es nach dem Unfall nicht mehr gab, dann liegt es an der Aufsichtsbehörden, diesem schwerwiegenden Indiz nachzugehen, anstatt geisteswissenschaftliche Überlegungen über die Hintergründe der gemachten Vorwürfe anzustellen.

Die wiederholte Anfrage an die Pressestelle der GKSS, einen Lage- bzw. Gebäudeplan aus den 80er Jahren zur Verfügung zu stellen, wurde bis dato mit transparentem Schweigen quittiert. Interessanterweise findet man auf dem aktuellen Lage- und Gebäudeplan der GKSS[10] kein Gebäude mehr, das den Namen »Institut für Physik« trägt. Hat es sich einfach in Luft aufgelöst?

1992 wurde die »Untersuchungskommission Leukämie« von der schleswig-holsteinischen Landesregierung eingesetzt. Nachdem diese Jahre lang den falschen Spuren folgte, änderte sich ab 2002 die Untersuchungsrichtung. Sie ging neuen Spuren nach und beantworte Fragen, die zuvor nie gestellt wurden.

2004 stellte sie ihren Abschlussbericht[11] vor. Er war vernichtend – für die Auftraggeber:

1. Die Funde von Transurane (allen voran Plutonium-241 und Americium-241) sind weder auf das AKW Krümmel, noch auf die Folgen von Tschernobyl zurückzuführen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie das Ergebnis von (misslungenen) »besonderen kerntechnischen Experimenten«[12] auf dem Gelände der GKSS.

2. Alle (Aufsichts-)Behörden und Dienststellen, die die Untersuchungskommission um Mithilfe bat, behinderten im hohem Maße die Aufklärung.

3. Um der Landesregierung nicht länger als Alibi für eine »unabhängige« Untersuchung und vorbehaltslose Aufklärung zu dienen, trat die Mehrheit der Mitglieder der Untersuchungskommission zurück.

Eigentlich ist ein Brand in einem Feuerwehrhaus, bei dem die Unterlagen eines anderen Brandes zerstört werden, nicht zu toppen. Doch die Landesregierung setzte im Rahmen der organisierten Vertuschung und Unterlassung noch eines drauf. Als absehbar war, dass die von ihr eingesetzte Untersuchungskommission nicht zu dem gewünschten Ergebnis kommt, setzte die Landesregierung Schleswig-Holsteins zum Plot an:

Sie beauftragte Dr. Wolters mit Expertisen und Gegengutachten, die die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der eingesetzten Untersuchungskommission widerlegen sollten. Jener Dr. Wolters war langjähriger Leiter des Referats Reaktorsicherheit im MFE[13]. Er war also verantwortlich für die Aufsicht der Geesthachter Nuklearanlagen (Kernkraftwerk Krümmel und GKSS). Nachdem er vorzeitig in den Ruhestand versetzt wurde, wechselte er zur Firma »SAST« und fertigte dort als »unabhängiger« Gutachter jene Expertisen und Gegengutachten an, die das Cleaning seiner eigenen Aufsichtstätigkeiten mit zum Gegenstand hatten.

Das ist das vorläufige Ende eines Politthrillers, der in einer Gegend spielt, die heute die weltweit einmalige Häufung von Leukämie-Erkrankungen aufweist.

Solange Behörden und Regierungsstellen nicht ihrer Pflicht zur Aufklärung nachkommen, ist von der Größten Anzunehmenden RegierungsKriminalität /GARK auszugehen.

Wolf Wetzel 2006

http://wolfwetzel.wordpress.com/2007/08/01/tschernobyl-ist-uberall/

Eine um aktuelle Ereignisse ergänzte Fassung findet ihr bei Telepolis vom 9.11.2009  mit dem Titel: Mit fragwürdigen Methoden zurück in die Atomkraft? unter:

http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/31/31449/1.html&burl=/tp/r4/artikel/31/31449/1.html&words=Gef%E4lligkeitsgutachten

Eine gekürzte Fassung erschien unter dem Titel »Ein fast perfektes Verbrechen« in der Wochenzeitung ›Freitag‹ am 11.8.2006

 

Einsortiert unter:Politik, Unfall

Höchste messbare Radioaktivität

Susanne Gerber

01.08.2011

Auf dem Gelände des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-1 ist die höchste radioaktive Strahlung seit der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe am 11. März gemessen worden. Mehr als zehn Sievert pro Stunde betrug die Strahlung am Boden eines Außenrohrs zwischen den Reaktoren 1 und 2, sagte ein Sprecher des Betreibers Tepco. Der Wert ist zugleich der Höchstwert, den die eingesetzten Detektoren überhaupt noch ermitteln können. Sievert ist die Einheit, in der Fachleute die biologische Schädlichkeit von radioaktiver Strahlung bewerten. Gravierende, akute Strahlenschäden treten auf, wenn ein Mensch in kurzer Zeit bereits einer Strahlung von einem Sievert ausgesetzt ist. Es kommt zu Übelkeit, Fieber und Haarausfall. Eine unmittelbare Dosis von acht Sievert gilt als potenziell tödlich. Ohne eine rasche Behandlung sterben daran fast alle Betroffenen. Daher ist der nun ermittelte Wert lebensbedrohlich. Aus den zum Teil stark beschädigten Reaktoren gelangen seit fünf Monaten immer wieder auch größere Mengen radioaktiver Partikel in die Umwelt. Der bisherige Höchstwert war am 3. Juni im Inneren des zerstörten Reaktorblocks 1 gemessen worden, er betrug damals zwischen drei und vier Sievert pro Stunde.

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-08/fukushima-radioaktivitaet-tepco

Einsortiert unter:Fukushima, Gefahr, Strahlung, Unfall

Liegt das Schlimmste hinter uns?

Susanne Gerber

06.07.2011

Vier Monate nach Fukushima sind Meldungen rund um die Atomkatastrophe in den Hintergrund getreten. 
Zu Unrecht, sagt Sebastian Pflugbeil. Der deutsche Physiker ruft zu genauerem Hinsehen auf – auch bei den Schweizer AKWs. Die Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS), der Pflugbeil vorsteht, ist eine Vereinigung von kritischen Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen; sie war eine der ersten Organisationen, die nach der Katastrophe von Fukushima von einem Super-GAU sprachen und warnten, der Atomunfall werde die Dimensionen des Unglücks von Tschernobyl erreichen.

http://www.gfstrahlenschutz.de/pm110323.htm

 

Thomas Angeli interviewt Sebastian Pflugbeil:

http://www.beobachter.ch/dossiers/energie/artikel/atomare-sicherheit_der-stresstest-fuer-akws-ist-makulatur/

TA: «Fukushima» findet schon seit Wochen nur noch in den Randspalten der 
Zeitungen statt. Liegt das Schlimmste hinter uns?
Sebastian Pflugbeil: Nein, überhaupt nicht. Die Strahlenbelastung im Gelände des AKWs Fukushima ist immer noch so hoch, dass man an den Anlagen praktisch nicht arbeiten kann. Es werden immer noch Menschen aus der Umgebung evakuiert, wobei als tolerabel gilt, dass sie pro Jahr 
eine Strahlendosis von bis zu 20 Millisievert abbekommen. Unter Normalbedingungen ist das jedoch der Höchstwert für beruflich strahlenexponierte ­Personen.

TA: Aber die Gefahr ist mittlerweile eingrenzbar?
Pflugbeil: Nein, die Situation ist völlig unübersichtlich und alles andere als unter Kontrolle. Im AKW Fukushima fallen immer noch riesige Mengen radioaktiv hochkontaminierter Flüssigkeiten an, die jetzt einfach mal in grosse Behälter gekippt werden. Man kann bloss beten, dass das am Ende irgendwie nicht doch im Pazifik landet. Überdies gibt es erste Angaben zu kontaminiertem Walfleisch und zu Algen mit zu hohen Strahlenwerten.

TA: Je kleiner die Schlagzeilen, desto grösser also die Katastrophe?
Pflugbeil: Medien halten es halt nicht aus, sich länger als eine Woche mit einem Thema zu beschäftigen. Dann läuft die nächste Sau durchs Dorf.

TA: Ein Schweizer Strahlenschutzexperte hat aber kürzlich erklärt, die Meldungen über die Strahlenexposition der Arbeiter in Fukushima seien teilweise massiv übertrieben gewesen.
Pflugbeil: Das halte ich für wenig plausibel. Am Anfang hatte man schlicht zu wenig Dosimeter zur Verfügung, um die Situation zu überwachen. In den vergangenen Wochen sind aber immer mehr Arbeiter aus Fukushima abgezogen worden, weil sie die 
zulässige Strahlendosis überschritten hatten. Ich halte die Aussage, da sei übertrieben worden, deshalb für nicht belegbar. In meinen Recherchen habe ich keine entsprechenden Hinweise gefunden.

TA: Zudem spricht man bloss von einer guten 
Handvoll verstrahlter Mitarbeiter. Direkte Schäden bei Personen sind ja keine bekannt.
Pflugbeil: Es gab schon Verbrennungen, etwa bei 
Arbeitern, die ihre Schutzkleidung nicht ordentlich abgedichtet hatten und dann mit den Füssen in kontaminiertes Wasser traten. Aber die Mehrheit der Strahlenschäden sind sowieso sogenannte stochastische Schäden. Die werden irgendwann in den nächsten Jahrzehnten auftreten, und es wird ein buntes Spektrum von Erkrankungen geben: Krebs, Leukämie, aber auch andere Krankheiten. Darüber weiss man einiges, unter anderem aus Tschernobyl.

TA: Zuletzt sind immer mehr Fakten bekannt 
geworden: dass es in drei Reaktoren zu Kernschmelze gekommen ist oder dass man im Grundwasser das hochgefährliche Strontium gefunden hat. Hat das für Sie das Bild der ­Katastrophe verändert?
Pflugbeil: Ich habe die Situation relativ früh so eingeschätzt, wie sie sich heute präsentiert. Dazu reichte das kleine Einmaleins der Kerntechnik. Mir war früh klar, dass es zur Kernschmelze gekommen sein musste. Wenn kein Kühlwasser mehr vorhanden ist, dann passiert das einfach. Das ist physikalisch so sicher wie das Amen in der Kirche. Das 
Gerede in den Medien über «partielle Kernschmelzen» – das war kompletter Schwachsinn. Wenn eine Kernschmelze einmal losgegangen ist, dann hält sie nichts mehr auf. Bei der deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz haben wir das praktisch von ­Anfang an so eingeschätzt, während die offiziellen Stellen geschwiegen haben. Das ist auch etwas, worüber man einmal nach­denken sollte.

TA: Eine Schweizer Zeitschrift hat kürzlich vom «Super-GAU, der keiner war» berichtet. Für Sie war das aber einer, oder?
Pflugbeil: In den Medien wurde noch spekuliert, ob es zu einem GAU kommen könnte, als der Super-GAU längst eingetreten war. Ein GAU ist das, was eine Anlage mit den eigenen technischen Vorkehrungen gerade noch beherrschen kann, damit keine schädigenden Emissionen das Werksgelände verlassen. In Fukushima wurde diese Schwelle bereits in den ersten Minuten des Unfalls überschritten.

TA: In der Schweiz steht in Mühleberg ein AKW, das von der Bauart her mit dem Reaktorblock 1 in Fukushima vergleichbar ist. Gibt es denn aus ­Ihrer Sicht nach Fukushima Grund, sich mehr Sorgen um die Sicherheit zu machen?
Pflugbeil: Ja, natürlich. Im Gegensatz zum Katastrophenreaktor in Tschernobyl liegt Fukushima in einem Hightech-Land mit sehr disziplinierten Technikern und gut ausgebildeten Wissenschaftlern. Trotzdem sind alle Beteiligten hilflos im Umgang mit der Katastrophe, weil die Handbücher dazu nichts aussagen. Und es wird ein Fehler nach dem anderen gemacht. Bei uns wäre das genauso. Deshalb ist es umso angebrachter, scharf auf die eigenen Atomkraftwerke zu schauen und 
dafür zu sorgen, dass man die so schnell wie möglich loswird.

TA: Immerhin sollen jetzt die europäischen und auch die Schweizer AKWs mit einem Stresstest überprüft werden. Wie beurteilen Sie diesen Test?
Pflugbeil: Das reicht eindeutig nicht.

TA: Weshalb nicht?
Pflugbeil: Es ist immer dasselbe Problem: Überprüfungen von technisch derart komplizierten Anlagen können im Grunde genommen nur Fachleute durchführen, die in diesen Anlagen arbeiten und mit ihnen vertraut sind. Diese Fachleute sind aber insgesamt von ihrer Grundhaltung her nicht daran interessiert, irgendwelche Probleme festzustellen. Das liegt in der Natur der Sache. Leute, die eine kritische Vorstellung haben von der Funktion der Kernkraftwerke, verfügen in der Regel nicht über die notwendige Erfahrung mit dem Betrieb solcher Anlagen. Daher werden die Überprüfungen von den Kernkraftwerken selber gemacht. Die müssten sich ja praktisch selber bescheinigen, dass sie Schwachstellen haben. Das werden sie mit Sicherheit nicht tun.

TA: Das spricht nicht für ein übermässig grosses Vertrauen in die Aufsichtsbehörden, die diese Stresstests kontrollieren müssen.
Pflugbeil: Auch die Aufsichtsbehörden sind dazu nicht in der Lage. Für die deutschen Kernkraftwerke hat die Reaktorsicherheitskommission einen solchen Stresstest angeordnet und durchgeführt. Diese Kommission ist zusammengesetzt aus Fachleuten vom TÜV, mehreren Vertretern von Kernkraftwerken, vom französischen AKW-Bauer Areva, vom Stromkonzern E.on – alles Spezialisten, die ihre bisherige Arbeit in Frage stellen würden, wenn sie jetzt Probleme fänden. Die Kommissionsmitglieder haben sich an 
einen grossen Tisch gesetzt und Akten durchgeblättert, die ihnen die Betreiber der Kernkraftwerke zur Verfügung gestellt haben. Es hat kein einziger Besuch in 
einem Kernkraftwerk stattgefunden, keine einzige Messung, keine Materialprüfung. So taugt ein Stresstest nichts. Im Grunde ist er schon jetzt Makulatur.

Einsortiert unter:Fukushima, Gefahr, Kernschmelze, Politik, Strahlung, Unfall

Tricastin Frankreich

Susanne Gerber

03.07.2011

Anwohner berichteten von dichten schwarzen Rauchwolken: In der französischen Atomanlage Tricastin hat ein Feuer gewütet. Der Brand entstand nach Angaben des Betreibers außerhalb der nuklearen Zone, verletzt wurde niemand. Auf dem Gelände des südfranzösischen Atomkraftwerks Tricastin hat es am Samstag eine Explosion und einen Brand gegeben. Anwohner hatten von dichten schwarzen Rauchwolken berichtet. Der Brand sei am Nachmittag außerhalb der atomaren Zone der Anlage ausgebrochen und habe keinerlei Strahlenbelastung für die Umwelt und die Bevölkerung zur Folge“, erklärte die Betreiberfirma EDF. Betroffen war ein Transformator – er dient der Weiterleitung des produzierten Stroms in die Stromnetze. Nach Angaben des Betreibers wurde niemand verletzt; die Feuerwehr habe den Brand konnte umgehend gelöscht. Der Transformator gehört zum Reaktorblock 1, der gegenwärtig abgeschaltet ist, und befindet sich außerhalb der Nuklearzone. Das Atomkraftwerk Tricastin mit vier Druckwasserreaktoren wurde in den siebziger Jahren gebaut. Das AKW ist Teil einer größeren Anlage – auf dem mehr als 600 Hektar großen Gelände sind zudem Forschungseinrichtungen sowie Betriebe zur Urananreicherung und Abfallbeseitigung untergebracht. In den vergangenen Jahren kam es dort immer wieder zu Zwischenfällen .

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,772028,00.html

Einsortiert unter:Unfall

Los Alamos USA

Susanne Gerber

28.06.2011

Im US-Bundesstaat New Mexiko versucht die Feuerwehr einen Großbrand an einem Atom-Komplex in den Griff zu bekommen. Der Brand ist bereits außer Kontrolle geraten und bedroht die Einrichtung Los Alamos National Laboratory, in der auch mit Plutonium gearbeitet wird. Die Einrichtung wurde bereits am Montag vorsorglich außer Betrieb genommen und die nahe gelegene Stadt Los Alamos mit 12.000 Einwohnern zwangsweise evakuiert. Nach Angaben der Betreiber besteht bislang aber keine Gefahr, dass radioaktives Material austritt. Die Anlage entstand während des Zweiten Weltkriegs als Teil der Arbeiten zur Entwicklung der ersten Atombombe.

http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE75R0CN20110628

In Los Alamos im US-Staat New Mexico breitet sich ein Buschbrand rasant aus. Ein Kernforschungszentrum nahe des Ortes wurde geschlossen, die Bewohner evakuiert. Die Bilder des verheerenden Feuers. Flammen wüten in den Hügeln von Las Alamos: Nahe des Ortes im US-Staat New Mexico ist ein sich rasch ausbreitender Buschbrand ausgebrochen. Der Brand bedroht die Einrichtung Los Alamos National Laboratory, in der auch mit Plutonium gearbeitet wird. Die Einrichtung wurde vorsorglich außer Betrieb genommen. Die 12.000 Einwohner der nahe gelegenen Stadt Los Alamos wurden aufgrund des näher rückenden Feuers zwangsweise evakuiert. Mittlerweile wütet die Feuersbrunst in einem Gebiet von mehr als 200 Quadratkilometer. Die Feuerwehr versucht ununterbrochen, den Großbrand am Atom-Komplex in den Griff zu bekommen. Es handele sich um den aktivsten Buschbrand, den er je erlebt habe, so der örtliche Feuerwehrchef Doug Tucker. Neben dem LANL erreichte das Feuer aber auch ein Gebiet von 0,4 Hektar, das als Tech Area 49 bekannt ist, und in dem in den 1960er Jahren eine Reihe von unterirdischen Tests mit hochexplosiven und radioaktiven Materialien durchgeführt wurden. Dem Labor zufolge sei der Brand in sicherer Weise gelöscht worden. Umweltexperten des Labors würden die Luftqualität untersuchen, so ein Sprecher. Die Hauptsorge gelte allerdings dem Rauch. Die Organisation „Besorgte Bürger für Atomsicherheit“ teilte mit, dass Feuer scheine rund fünfeinhalb Kilometer von einer Deponie entfernt zu sein, auf der nicht weniger als 30.000 Fässer mit jeweils mehr als 200 Litern, die mit Plutonium verstrahltes Wasser enthalten. Dort warten die Fässer nach Informationen der Organisation auf ihren Weitertransport in den Süden New Mexikos. Ein Sprecher des Labors wollte nicht bestätigen, ob sich derzeit solche Fässer auf dem Gelände befinden. Das Feuer sei aber noch ein gutes Stück von dem Lagerplatz entfernt. Was passiert, wenn die Fässer mit einem solchen Inhalt in Brand geraten, konnte er nicht sagen. Es ist nicht das erste Mal dass nahe Los Alamos ein Brand ausbricht. Bereits im Mai 2000 wurden die Einwohner des Ortes evakuiert, viele hundert Häuser wurden damals durch das Feuer zerstört.

http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/eine-feuersbrunst-bedroht-den-atomkomplex/4332498.html

Einsortiert unter:Gefahr, Unfall

INES 8

Susanne Gerber

23.06.2011

Die internationale Atombehörde IAEA möchte den Schweregrad des Unfalls im AKW Fukushima von International Nuclear Event Scale (INES) 7 auf 8 erhöhen. Eine Stufe, die bis heute noch nicht einmal festgelegt worden ist. Das heißt, die Folgen der Katastrophe in Japan sind noch schlimmer als die von Tschernobyl. Über die Stufenerhöhung erklärte Yukiya Amano, Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde, dass die Dosis der radioaktiven Strahlung in Fukushima ein Mehrfaches der Dosis in Tschernobyl sei. Die Stufe 7, bis heute der höchste Grad eines Atomunfalls, könne die schlimme Situation in Japan nicht mehr hinreichend beschreiben.

Zuvor hatten bereits Wissenschaftler darauf hingewiesen, es gebe viel mehr Bewohner in Fukushima als in Tschernobyl, und außerdem sei das Leck von radioaktiven Partikeln schlimmer als jemals zuvor. Es sei deswegen nötig, dass die IAEA einen neuen Schweregrad einführen solle, um das Ereignis in Fukushima angemessen zu bewerten. Zu Beginn bewertete die Behörde den Unfall im Atomkraftwerk Daiichi in der japanischen Präfektur Fukushima mit Grad 4. Nach den Wasserstoffexplosionen in den Reaktoren 2, 3 und 4 erhöhte man den Grad auf INES-5. Unter Grad 5 versteht man einen Unfall mit „Risiken außerhalb des Felds“ und mit „begrenztem Radioaktivitätsleck“. Zudem liegt dann eine „schwierige Beeinträchtigung“ des Atomkerns im Reaktor vor. Im März, etwa einen Monat nach dem Unfall, erhöhte IAEA den Grad direkt auf INES-7.

Definition von INES-7: Katastrophaler Unfall. Schwerste Freisetzung, Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld, Erhebliche Freisetzung (Äquivalent von > einigen 10.000 TBq von Jod-131), Gesundheitliche Spätschäden über große Gebiete, ggf. in mehr als einem Land. Beispiel: Havarie des Kernkraftwerks Tschernobyl 1986, Ukraine – damals UdSSR (70.000 TBq).

http://german.china.org.cn/international/2011-06/23/content_22845560.htm

Einsortiert unter:Fukushima, Gefahr, Kernschmelze, Politik, Strahlung, Unfall

AKW Fort Calhoun (USA)

Susanne Gerber

15.06.2011

Das Kernkraftwerk in Nebraska wird seit Tagen von einem Hochwasser bedroht. Zur Abwehr des Hochwassers wurden Maßnahmen mit Sandsäcken eingeleitet. Der Reaktor bleibt aufgrund des Hochwassers nach einer Revision bis auf weiteres abgeschaltet. Seit dem 06. Juni 2011 wird das Hochwasser als Sicherheitsrisiko mit der Stärke 0 bewertet (Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung). Inzwischen wird das Hochwasser als Unfall der Stufe 4 bewertet. Das bedeutet, das Kernkraftwerk ist in akuter Gefahr. Wasser würde bereits in das Gelände eindringen. Der Wetterbericht sagt ein weiteres Steigen des Wassers auch noch für längere Sicht voraus. Die vorhandenen Dämme sind nicht für ein derartiges Hochwasser ausgelegt. Flussaufwärts kam es bereits zu mehreren schweren Dammbrüchen. Die Behörden haben ein Flugverbot im Gebiet um das Kernkraftwerk erlassen. Arnie Gundersen dazu: Sandsäcke und die Sicherheit eines Kernkraftwerks gehören eigentlich nicht in den selben Satz. Der Experte für Kernkraftwerke beurteilt die Situation als extrem kritisch, insbesondere ein Dammbruch kann nun zu einer Wiederholung der Vorfälle aus Fukushima binnerhalb der USA führen. Am 07. Juni 2011 kam es im Kernkraftwerk zu einer Rauchentwicklung in einem Schaltraum. In diesem Zusammenhang zu einem Ausfall der Kühlung des offenen, wassergekühlten Atommülllagers (Abklingbecken). Aufgrund des Löschsystems  musste die Anlage teilweise evakuiert werden. Laut Betreiber steht dieses Ereignis in keinem Zusammenhang mit dem Hochwasser, auch könne der Ausbruch eines Feuers nicht bestätigt werden. Bei Eintreffen der Feuerwehr war kein Feuer feststellbar. Der Betreiber weiter: Die Kühlung konnte nach etwa 90 Minuten wieder hergestellt werden. Das Wasser im Becken habe sich nur geringfügig erwärmt. Eine kritische Situation wäre erst nach etwa 88 Stunden ohne Kühlung zu erwarten gewesen. Während des Vorfalls wurde die Störung mit INES 2 (Störfall) bewertet.  Es habe zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden. Ein Ausfall der Kühlung eines Abklingbeckens kann nach unserer Einschätzung durchaus als Ernster Störfall der Stufe 3 bewertet werden, da mit dem Ausfall der Kühlung die einzige Sicherheitsbarire, das Wasser im Abklingbecken, akut gefährdet ist. In Fukushima hat ein solcher Vorfall das Reaktorgebäude 4 des Kernkraftwerks Fukushima 1 (Diichi) zerstört. Des weiteren kam es vermutlich im Abklingbecken des Reaktor 3 in Fukushima 1 (Diichi) zu einer Kernexplosion.2010 hat eine Untersuchung festgestellt, dass das Kernkraftwerk nicht ausreichend gegen eine Flut geschützt ist. 2011 wurden daher bauliche Veränderungen vorgenommen. Dennoch bereitet das derzeit herrschende Hochwasser Kopfzerbrechen.

http://www.anti-atom-piraten.de/2011/06/zwischenfall-im-akw-fort-calhoun-usa/

Einsortiert unter:Unfall

Fiberkurve in Fukushima

Susanne Gerber

10.06.2011

https://chart.googleapis.com/chart?chof=gif&cht=lc&chxt=x,y&chxl=0:%7C18%7C19%7C20%7C21%7C22%7C23%7C24%7C25%7C26%7C27%7C28%7C29%7C30%7C31%7C6/1%7C2%7C3%7C4%7C5%7C6%7C7%7C8%7C9&chs=500x320&chd=t:0,0%7C45.4,36.3,46.5,36.2,196,201,192,215,43.7,63.8,215,225,41.8,59.0,185.0,209.0,222.0,250.0,27.0,35.5,200.47,51.2,224%7C1.04,1.04,1.03,1.02,1.01,1.01,0.997,0.987,0.958,0.959,0.950,0.944,0.936,0.928,0.919,0.909,0.898,0.889,0.879,0.873,0.867,0.857,0.839&chg=4.54,8.25&chco=0000FF,FF0000,FF9900&chds=0,300&chxr=0,0,500%7C1,0,300&chls=2,2,3%7C3,2,0%7C3,2,0&chm=o,FF0000,1,0:-1,8%7Co,FF9900,2,0:-1,8&chf=bg,ls,0,DDDDDD,0.15,FFFFFF,0.1

Unit 1 nuclear power plant Fukushima

http://atmc.jp/plant/rad/?n=1

0 – 300 Sievert/Hour

18. – 9.  May 18 – June 9 2011

Zu sehen ist ein sich wiederholender Anstieg und Abfall der Radioaktivitätswerte im Reaktor Nummer 1 des Kernkraftwerkes Fukushima im Zeitraum vom 18.05. bis 09.06.2011.

Die vollständige, tägliche aktualisierte Kurve ist unter obigem Link zu finden.

Was wir sehen ist quasi ein Siedevorgang. Die Radioktivität aus der Schmelze steigt aufgrund sich selbst induzierender, zunehmender Aktivität, mit ihr die Temperatur, bis zu einem bestimmten Punkt an und entlässt daraufhin dampfförmige Substanz, die als radioaktiver Dampf, Rauch, Qualm auf allen möglichen Wegen die Anlage verlässt und den Luftraum verseucht. Je nach chemischer Zusammenstzung dieser Dämpfe sind sie verschieden gefärbt. Danach sinken Aktivität und Temperatur bis die Eigendynamik wieder beginnt. Für diesen Vorgang ist keine Energiezufuhr notwendig, er ist aber auch, solange eine bestimmte Zusammensetzung der Materialen in einer ausreichenden Menge vorliegt, nicht zu stoppen. Die Schmelze erhitzt sich und brodelt solange genügend radioaktives Material vorhanden ist. Ein Anstieg der Aktivität und explosionsartige Eruptionen sind möglich. Zutretendes Wasser hat je nach Temperatur verschiedene Auswirkungen: Es schwemmt radioaktive Substanz und somit Strahlung aus dem undichten Reaktor in Grundwasser und Ozean oder es verdampft und kontaminiert die Atmosphäre oder es wird bei höheren Temperaturen in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten und kann zu weiteren Explosionen führen.

Einsortiert unter:Fukushima, Kernschmelze, Strahlung, Unfall

China Syndrom

Susanne Gerber

09.06.2011

In den USA wird ein Reaktorunfall mit Kernschmelze umgangssprachlich als China-Syndrom bezeichnet. Häufig wird die Herkunft des Ausdrucks damit erklärt, dass die Volksrepublik China von den USA aus betrachtet, nach populärer Meinung ungefähr auf der entgegengesetzten Seite der Erde liegt (was tatsächlich nicht der Fall ist, da sich beide Staaten nördlich des Äquators befinden) und man meint, dass sich der geschmolzene Reaktorkern in Richtung China tief in die Erde hineinschmilzt. Diese Bezeichnung wurde durch den Film „Das China-Syndrom“ populär.

…dann wäre es das China Syndrom…Michael Sailer m Gespräch mit Manfred Kriener

24.03.2011 in der Wochenzeitung „Der Freitag“

Michael Sailer: Wir haben sicher mehr als 1.000 Tonnen radioaktive Brennstoffe in Fukushima. Das radioaktive Inventar ist damit sehr viel höher als in Tschernobyl. Zusätzlich zu den Reaktoren erhöhen sieben Lagerbecken für Brennelemente das Gefährdungspotenzial. Aus mehreren Jahrzehnten Betrieb liegen die abgebrannten Brennelemente noch auf der Anlage.

Manfred Kriener: Wie schätzen Sie den Zustand der Druckgefäße in den drei kollabierten Reaktoren ein? Wie lange können die Stahlbehälter dem glühenden Brei der Kernschmelze noch standhalten?

Michael Sailer: Das wissen wir nicht. Es gibt weder Messgeräte noch Überwachungskameras. Wir können nur auf theoretische Studien zurückgreifen. Wir wissen, dass die Kernschmelze, wenn sie sich wegen fehlender Kühlung immer weiter aufheizt, irgendwann als flüssige Masse bei Temperaturen von mehr als 2.000 Grad in die Tiefe fällt und auf der Stahlwand des Reaktordruckbehälters liegt. Dort kann sie sich durch das Material fressen, denn Stahl schmilzt bei Temperaturen von 1.000 Grad.

Manfred Kriener: Die Kernschmelze würde sich dann in die Erdkruste hineinbohren?

Michael Sailer: Wenn sie nach unten durchschmilzt, wäre es das China-Syndrom. Gegenüber einem Ausbruch nach oben ist es die harmlosere Freisetzung.

Manfred Kriener: Ist die Zerstörung des Stahls zwangs­läufig oder kann er, wie bei der AKW- Havarie 1979 in Harrisburg, vielleicht doch standhalten?

Michael Sailer: Die Lage war damals völlig anders. Dort ist es nach einigen Stunden gelungen, die Kühlung über stromversorgte Systeme des Reaktors wieder in Gang zu setzen.

Michael Sailer gehört seit 1999 der Reaktorsicherheitskommisson an, der er einige Jahre auch vorsaß. Außerdem ist der 58-Jährige beim Darmstädter Öko-Institut Mitglied der Geschäftsführung. Der Chemiker gilt seit vielen Jahren als einer der profiliertesten Kritiker der Atomkraft. Das Gespräch führte Manfred Kriener. Er ist Chefredakteur des Umweltmagazins

http://www.freitag.de/politik/1112-es-droht-das-china-syndrom

The term China Syndrome was coined by Physist Ralph E Lapp . in 1971
Professor Lapp, was an honary member of the manhattan project, holding the position of the director of the metallurgical labratory. He also can be refrenced, in the general staffing of the US war department’s top advisor on Atomic Energy. As well as the Head of Nuclear physics, in the branch office in Naval Research. He is more recognised, for his views, on Nuclear Radiation Biology, and his term paper ”A nuclear Reference Manual, Must we hide”… In writing Nuclear Radiation Physics, He became an activist leader in life, writing the book: “Victims of the super bomb”. His understanding of nuclear physics, was one of the most accredited, sources for the United States, Nuclear Regulatory Commision to date… His term “China syndrome” was based on the idea of a catastrophic, meltdown of a nuclear reactor. Involving a loss of coolant accident. The scenario begins, when something causes the coolant level in the reactor pressure vessle, to drop uncovering all or part of the Nuclear fuel assembly. “This scenario, is almost identical to what has already happened, in Fukushima, Japan”. The nuclear fuel assemblies, create a chain reaction termed as “fission”. It was in Professor Lapps opinion, that Nuclear fuel, in absense of coolant would continue to produce, significant residule heat for a number of days, due to further decay of fission products. If not properly cooled, the fuel assemblies, may soften and melt, falling to the bottom of the reactor vessle. There, without the coolant preventing enough of a chain reaction to reduce thermal temperature, The tempreature of the molten fuel could increase to the point where it melts through the structures containing it. Such an unfortunante series of events could release vast amounts of radioactive nuclides into the atmosphere, and ground. What many current websites have failed to notice is, that radiation is continually being released in large amounts every moment of every day. The continued observation of iodide, through the last 4 months, gives insight, to the processes going on inside the Fukushima Reactors. The very presence of iodide ( a nuclide with an 8day half-life) 3 months, later can only indicate one thing. The reactor’s in japan are in a state, of constant fission. Meaning the fuel is uncontrolled and there is no  barrier to the enviroment.

http://enenews.com/nuclear-fuel-has-melted-through-base-of-fukushima-plant

Einsortiert unter:Fukushima, Kernschmelze, Meltdown, Unfall

Kernschmelze und 5,88 Millisievert pro Stunde in Tokio und…?

Susanne Gerber

07.06.2011

„Drei Monate nach Beginn der Natur- und Atomkatastrophe in Japan ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima weiterhin außer Kontrolle. Die Regierung bestätigte am Montag, dass es bereits kurz nach Beginn der Katastrophe in den Reaktoren 1 bis 3 des AKW zu Kernschmelzen gekommen war. Die in den ersten fünf Tagen seit dem Beben und dem Tsunami in Fukushima am 11. März freigesetzte Radioaktivität sei mit 770.000 Terabecquerel doppelt so hoch gewesen wie zunächst geschätzt. Das gab die Atomaufsichtsbehörde bekannt. Die Regierung erwägt, wegen der langfristigen Strahlenbelastung noch mehr Menschen außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone zum Verlassen ihrer Häuser aufzufordern. Der Betreiber der Atomruine, Tepco hatte bereits im Mai bekannt gegeben, dass die Kernbrennstäbe in Reaktor 1 zum größten Teil geschmolzen sind. Zu dem Zeitpunkt hatte Tepco erklärt, dass dies möglicheweise auch in den beiden anderen Reaktoren passiert sei. Das wurde von der Behörde jetzt bestätigt. “

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-06/japan-atom-kernschmelze

Die Menge an Kernbrennstoff im KKW Fukushima 1

In obiger Tabelle werden sogenannte Assemblies aufgeführt. Das ist ein Paket aus 60 Brennstäben. Jedes Paket wiegt 170 kg. Multipliziert man den Wert 10.661 mit 0,170 Tonnen, kommt man auf 1800 Tonnen Brennstoff-Material. Dieser Wert deckt sich ungefähr mit den Angaben aus dem Protokoll von Tepco. 1000 Tonnen lagern im shared-pool und sollen weniger radioaktiv sein. Aber auch diese müssen weiterhin gekühlt werden !

Download Inspektions-Protokloll-Dez2010-Tepco

Insgesamt entliess und entlässt das Kraftwerk Fukushima I also 2800 Tonnen höchst- und hochradioaktives Material in die Umwelt. Davon ist ein Teil durch die bereits stattgefundenen Explosionen in die Atmossphäre und in die Umgebung des Kraftwerks gelangt. Die weitere Dampf- und Rauchentwicklung und etwaige weitere Explosionen werden den Luftraum weiter belasten. Ein anderer Teil der radioaktiven Substanz wird durch Kühl- und Regenwassermassen in den Pazifischen Ozean und das Grundwassersystem Japans gespült. Auch dieser Prozess ist seit Wochen im Gange und wird im Wesentlichen unaufhaltsam fortschreiten. Die Tausenden von Tonnen kontaminierten Wassers, die sich noch in den Gebäuderuinen des Kernkraftwerks befinden, sind nur ein Bruchteil des Wassers, der bereits in die Umwelt gelangt ist und weiterhin gelangen wird. Chemische Reaktionen der freiliegenden, geschmolzenen, radioaktiven Masse  mit den Baustoffen der Anlage wie Beton, Stahl, Blei, andere Metalle, Kunststoffe, Schmiermittel und Öl, führen zur Bildung erheblicher Mengen von giftigen Stoffen, die gasförmig und, oder wasserlöslich die Umwelt vergiften.

Die Strahlung

Im havarierten japanischen Atomkraftkraftwerk Fukushima I ist ein Anstieg der Radioaktivität gemessen worden. Wie die Betreibergesellschaft Tepco mitteilte, wurde in Block 1 eine Strahlung von 3000 bis 4000 Millisievert pro Stunde gemessen. Das ist die höchste bisher in der Luft gemessene Radioaktivität in der schwer beschädigten Anlage. Die Messdaten bedeuten, dass Arbeiter innerhalb von vier Minuten der höchsten zulässigen jährlichen Strahlendosis von 250 Millisievert ausgesetzt wären. Und dies, obwohl die japanische Regierung die zulässige Dosis nach der Havarie hochsetzte. Vor der Reaktorkatastrophe galt für Beschäftigte in Atomanlagen noch ein Grenzwert von 100 Millisievert pro Jahr.

http://www.tagesschau.de/ausland/akwfukushima102.html

Die Meldung, mit welcher die NISA die Welt nun überraschte, war die plötzliche Verdoppelung der angenommenen Mengen in die Umwelt gelangten radioaktiven Materials. Man geht seitens der japanischen Aufsichtsbehörde nun von einer Gesamtmenge von 770.000 Terabecquerel aus. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet das Präfix tera Billionen. Um ein Gefühl zu bekommen, um welche Ausmaße an radioaktiven Stoffen es hier geht – diese Zahl bedeutet, dass das ausgetretene Material, sei es beispielsweise Jod 131, Caesium 134 oder 137, insgesamt ein Zerfallspotential besitzt, bei dem in jeder Sekunde 770.000 Billionen mal ein Atom zerfällt und damit eine Ladung aussendet. In der Masse dieser Zerfallsvorgänge entsteht dann die Strahlung. In Europa darf derzeit ein Kilogramm eines Lebensmittels, außer Milch und Babynahrung, bis zu 1.250 Becquerel radioaktiver Stoffe enthalten, bevor es nicht mehr verzehrt werden darf. Man kann sich leicht ausrechnen, wie viel organische Substanz verseucht werden könnte und verseucht worden ist. http://www.suite101.de

Video: 5,77 microsieverts per hour in Tokyo

I am 135 miles / 220 Km south of Fukushima, on the outskirts of the Tokyo area. It is Tuesday, June 7th […] I just walk outside of my house and …. radiation. The air is not dangerous but the ground is. The radiation is much higher in low lying areas and the government here is desperately trying to keep it quiet.

http://enenews.com/5-77-microsieverts-per-hour-of-radiation-measured-near-tokyo-at-ground-level-govt-is-desperately-trying-to-keep-it-quiet-video

Japanische Wissenschaftler haben am Montag genauere Bodenanalysen um das Kernkraftwerk Fukushima gefordert, nachdem außerhalb des Geländes des Kraftwerks nicht näher bezifferte Spuren des hochgiftigen Plutoniums etwa 1,7 Kilometer vom Kernkraftwerk entfernt gefunden wurden… In der Präfektur Fukushima begannen 80 Fachleute am Montag mit der Entnahme von Bodenproben zur Feststellung von Radioaktivität. Bisher hatten Messungen nur vom Flugzeug aus stattgefunden. Danach soll eine Karte der Radioaktivität erstellt werden.

http://www.faz.net/artikel/C31325/japan-mehr-radioaktivitaet-in-fukushima-30433689.html

Heute fand die erste Sitzung der auf Beschluss des japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan gebildeten unabhängigen Kommission für die Untersuchung der Ursachen der Havarie im Kernkraftwerk „Fukushima 1“ statt. Ihr gehören 10 Fachleute, unter anderem für die Seismologie, Radiologie und Kernkraftwerke und Juristen an. Sie sollen die Neutralität und die volle Durchsichtigkeit der Untersuchung der Havarie in „Fukushima 1“ sichern.  Die Kommission wird Empfehlungen zur Überwindung der Folgen der Havarie geben und Maßnahmen, darunter auch gesetzgebende, für die Festigung der Sicherheit in Kernkraftwerken und die Reformierung der Kontrollorgane in diesem Bereich vorschlagen. Man plant auch ausländische Experten, unter anderem aus Russland, den USA, Frankreich, China und Südkorea zu dieser Arbeit heranzuziehen.  ITAR TASS

Sind Strahlenschäden heilbar?

Mit der Angst vor dem Strahlentod lassen sich nach Fukushima plötzlich wieder Geschäfte machen. Diese Hoffnung jedenfalls treibt Pharmahersteller derzeit weltweit um. Manche, das berichtet ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), rufen direkt an und bitten unverhohlen um Marketinghilfe. Andere, wie die US-Biotechfirma Cleveland Biolabs in Buffalo, lancieren vermeintlich sensationelle Pressemitteilungen: Schon bald, so die Firma, könne der Durchbruch gelingen für ein Medikament, das den programmierten Zelltod strahlengeschädigter Zellen über die Gabe eines Proteins verhindere oder zumindest hinauszögere. Das Problem: Getestet wurde bislang nur an Mäusen, deren Leben teilweise um zwei Wochen verlängert werden konnte. „Überoptimistisch“ nennt solche Meldungen der Strahlentherapeut und Physiker Peter Huber, der am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg arbeitet: „Die Wissenschaft stochert leider noch im Heuhaufen herum, ohne das Gesamtbild im Organismus zu verstehen.“ Warum das so ist? Strahlung ist lokal kaum eingrenzbar und die Schäden sind entsprechend schwierig behandelbar. Und: „Strahlung ist in jeder Dosis schädlich.“ Wie schädlich, hängt ab von ihrer Höhe, Dauer und der Art der Exposition. Davon wiederum hängt ab, welche Organe besonders gefährdet seien, akut und langfristig. Generell empfindlich auf ionisierende Strahlung reagieren DNA und andere Zellbestandteile im Darm, Knochenmark, Lunge, Leber, Nerven, was zum Beispiel akute Auswirkungen auf das Blut haben kann: Hier kann Strahlung zu Gerinnungsproblemen führen und damit zu unstillbaren inneren Blutungen. Bei Beschädigung der weißen Blutkörperchen wiederum droht der Verlust jeglichen Entzündungsschutzes vor sonst harmlosen Bakterien. Vorübergehend auftreten können jedoch Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall sowie leichte Blutbildänderungen und bei Männern verminderte Spermienbildung. Da statistisch auch Mutationen in der DNA auftreten werden, gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für die Spätfolge Krebs. Als Wahrscheinlichkeitsabschätzung gilt unter Medizinern: Die Zunahme der Krebssterblichkeit beträgt 10 Prozent pro Sievert, also 2,5 Prozent pro 250 Millisievert. Umgerechnet auf das Risiko der japanischen Arbeiter bedeutet das: Erstens: Die normale Krebssterblichkeit liegt in Japan (wie in Deutschland auch) bei etwa 25 Prozent. Zweitens: Bei einer Belastung von 250 Millisievert steigt folglich das Risiko, an Krebs zu sterben, von 25 auf 27,5 Prozent. Drittens: Das entspricht einem relativen Unterschied von etwa zehn Prozent. Und ist damit – viertens – nicht unbeachtlich.

Zu der Frage, wie strahlenbedingte innere Blutungen im Magen-Darm-Bereich gestoppt oder zumindest verringert werden können, forscht derzeit das Aachener Pharmaunternehmen Paion, 28 Mitarbeiter klein. Paion will dazu das körpereigene Enzym Solulin, das normalerweise die Blutgerinnung regelt, aber durch Strahlen zerstört wird, gentechnologisch erzeugen und dem Körper nach einem Strahlenschaden wieder zuführen.

Zwar eruieren das US-Militär, die Weltraumbehörden Nasa und ESA sowie Strahlenmediziner und Pharmahersteller weltweit seit Jahrzehnten immer wieder, wie die Heilungschancen nach einer Schädigung durch ionisierende Strahlung oder nach der Aufnahme radioaktiver Partikel in den Körper gesteigert werden könnten. Doch das Problem: Bislang forscht jeder für sich, Kooperationen sind selten, ihre Finanziers knauserig. Das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Lobbyinteressen. Es liegt auch daran, dass die Erfolgsaussichten frustrierend sind: Wenn der Körper durchstrahlt wird, etwa weil Sie in unmittelbarer Umgebung eines havarierten AKWs leben, wenn also ein Schwall partikelloser Strahlungen durch Sie hindurchtritt, dann schützt Sie gar nichts. Dann führt das zu Multiorganversagen und zum Tod.

http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/das-geschaeft-mit-dem-strahlentod/

Einsortiert unter:Fukushima, Gefahr, Radiation, Strahlung, Unfall