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Höchste messbare Radioaktivität

Susanne Gerber

01.08.2011

Auf dem Gelände des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-1 ist die höchste radioaktive Strahlung seit der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe am 11. März gemessen worden. Mehr als zehn Sievert pro Stunde betrug die Strahlung am Boden eines Außenrohrs zwischen den Reaktoren 1 und 2, sagte ein Sprecher des Betreibers Tepco. Der Wert ist zugleich der Höchstwert, den die eingesetzten Detektoren überhaupt noch ermitteln können. Sievert ist die Einheit, in der Fachleute die biologische Schädlichkeit von radioaktiver Strahlung bewerten. Gravierende, akute Strahlenschäden treten auf, wenn ein Mensch in kurzer Zeit bereits einer Strahlung von einem Sievert ausgesetzt ist. Es kommt zu Übelkeit, Fieber und Haarausfall. Eine unmittelbare Dosis von acht Sievert gilt als potenziell tödlich. Ohne eine rasche Behandlung sterben daran fast alle Betroffenen. Daher ist der nun ermittelte Wert lebensbedrohlich. Aus den zum Teil stark beschädigten Reaktoren gelangen seit fünf Monaten immer wieder auch größere Mengen radioaktiver Partikel in die Umwelt. Der bisherige Höchstwert war am 3. Juni im Inneren des zerstörten Reaktorblocks 1 gemessen worden, er betrug damals zwischen drei und vier Sievert pro Stunde.

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-08/fukushima-radioaktivitaet-tepco

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Liegt das Schlimmste hinter uns?

Susanne Gerber

06.07.2011

Vier Monate nach Fukushima sind Meldungen rund um die Atomkatastrophe in den Hintergrund getreten. 
Zu Unrecht, sagt Sebastian Pflugbeil. Der deutsche Physiker ruft zu genauerem Hinsehen auf – auch bei den Schweizer AKWs. Die Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS), der Pflugbeil vorsteht, ist eine Vereinigung von kritischen Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen; sie war eine der ersten Organisationen, die nach der Katastrophe von Fukushima von einem Super-GAU sprachen und warnten, der Atomunfall werde die Dimensionen des Unglücks von Tschernobyl erreichen.

http://www.gfstrahlenschutz.de/pm110323.htm

 

Thomas Angeli interviewt Sebastian Pflugbeil:

http://www.beobachter.ch/dossiers/energie/artikel/atomare-sicherheit_der-stresstest-fuer-akws-ist-makulatur/

TA: «Fukushima» findet schon seit Wochen nur noch in den Randspalten der 
Zeitungen statt. Liegt das Schlimmste hinter uns?
Sebastian Pflugbeil: Nein, überhaupt nicht. Die Strahlenbelastung im Gelände des AKWs Fukushima ist immer noch so hoch, dass man an den Anlagen praktisch nicht arbeiten kann. Es werden immer noch Menschen aus der Umgebung evakuiert, wobei als tolerabel gilt, dass sie pro Jahr 
eine Strahlendosis von bis zu 20 Millisievert abbekommen. Unter Normalbedingungen ist das jedoch der Höchstwert für beruflich strahlenexponierte ­Personen.

TA: Aber die Gefahr ist mittlerweile eingrenzbar?
Pflugbeil: Nein, die Situation ist völlig unübersichtlich und alles andere als unter Kontrolle. Im AKW Fukushima fallen immer noch riesige Mengen radioaktiv hochkontaminierter Flüssigkeiten an, die jetzt einfach mal in grosse Behälter gekippt werden. Man kann bloss beten, dass das am Ende irgendwie nicht doch im Pazifik landet. Überdies gibt es erste Angaben zu kontaminiertem Walfleisch und zu Algen mit zu hohen Strahlenwerten.

TA: Je kleiner die Schlagzeilen, desto grösser also die Katastrophe?
Pflugbeil: Medien halten es halt nicht aus, sich länger als eine Woche mit einem Thema zu beschäftigen. Dann läuft die nächste Sau durchs Dorf.

TA: Ein Schweizer Strahlenschutzexperte hat aber kürzlich erklärt, die Meldungen über die Strahlenexposition der Arbeiter in Fukushima seien teilweise massiv übertrieben gewesen.
Pflugbeil: Das halte ich für wenig plausibel. Am Anfang hatte man schlicht zu wenig Dosimeter zur Verfügung, um die Situation zu überwachen. In den vergangenen Wochen sind aber immer mehr Arbeiter aus Fukushima abgezogen worden, weil sie die 
zulässige Strahlendosis überschritten hatten. Ich halte die Aussage, da sei übertrieben worden, deshalb für nicht belegbar. In meinen Recherchen habe ich keine entsprechenden Hinweise gefunden.

TA: Zudem spricht man bloss von einer guten 
Handvoll verstrahlter Mitarbeiter. Direkte Schäden bei Personen sind ja keine bekannt.
Pflugbeil: Es gab schon Verbrennungen, etwa bei 
Arbeitern, die ihre Schutzkleidung nicht ordentlich abgedichtet hatten und dann mit den Füssen in kontaminiertes Wasser traten. Aber die Mehrheit der Strahlenschäden sind sowieso sogenannte stochastische Schäden. Die werden irgendwann in den nächsten Jahrzehnten auftreten, und es wird ein buntes Spektrum von Erkrankungen geben: Krebs, Leukämie, aber auch andere Krankheiten. Darüber weiss man einiges, unter anderem aus Tschernobyl.

TA: Zuletzt sind immer mehr Fakten bekannt 
geworden: dass es in drei Reaktoren zu Kernschmelze gekommen ist oder dass man im Grundwasser das hochgefährliche Strontium gefunden hat. Hat das für Sie das Bild der ­Katastrophe verändert?
Pflugbeil: Ich habe die Situation relativ früh so eingeschätzt, wie sie sich heute präsentiert. Dazu reichte das kleine Einmaleins der Kerntechnik. Mir war früh klar, dass es zur Kernschmelze gekommen sein musste. Wenn kein Kühlwasser mehr vorhanden ist, dann passiert das einfach. Das ist physikalisch so sicher wie das Amen in der Kirche. Das 
Gerede in den Medien über «partielle Kernschmelzen» – das war kompletter Schwachsinn. Wenn eine Kernschmelze einmal losgegangen ist, dann hält sie nichts mehr auf. Bei der deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz haben wir das praktisch von ­Anfang an so eingeschätzt, während die offiziellen Stellen geschwiegen haben. Das ist auch etwas, worüber man einmal nach­denken sollte.

TA: Eine Schweizer Zeitschrift hat kürzlich vom «Super-GAU, der keiner war» berichtet. Für Sie war das aber einer, oder?
Pflugbeil: In den Medien wurde noch spekuliert, ob es zu einem GAU kommen könnte, als der Super-GAU längst eingetreten war. Ein GAU ist das, was eine Anlage mit den eigenen technischen Vorkehrungen gerade noch beherrschen kann, damit keine schädigenden Emissionen das Werksgelände verlassen. In Fukushima wurde diese Schwelle bereits in den ersten Minuten des Unfalls überschritten.

TA: In der Schweiz steht in Mühleberg ein AKW, das von der Bauart her mit dem Reaktorblock 1 in Fukushima vergleichbar ist. Gibt es denn aus ­Ihrer Sicht nach Fukushima Grund, sich mehr Sorgen um die Sicherheit zu machen?
Pflugbeil: Ja, natürlich. Im Gegensatz zum Katastrophenreaktor in Tschernobyl liegt Fukushima in einem Hightech-Land mit sehr disziplinierten Technikern und gut ausgebildeten Wissenschaftlern. Trotzdem sind alle Beteiligten hilflos im Umgang mit der Katastrophe, weil die Handbücher dazu nichts aussagen. Und es wird ein Fehler nach dem anderen gemacht. Bei uns wäre das genauso. Deshalb ist es umso angebrachter, scharf auf die eigenen Atomkraftwerke zu schauen und 
dafür zu sorgen, dass man die so schnell wie möglich loswird.

TA: Immerhin sollen jetzt die europäischen und auch die Schweizer AKWs mit einem Stresstest überprüft werden. Wie beurteilen Sie diesen Test?
Pflugbeil: Das reicht eindeutig nicht.

TA: Weshalb nicht?
Pflugbeil: Es ist immer dasselbe Problem: Überprüfungen von technisch derart komplizierten Anlagen können im Grunde genommen nur Fachleute durchführen, die in diesen Anlagen arbeiten und mit ihnen vertraut sind. Diese Fachleute sind aber insgesamt von ihrer Grundhaltung her nicht daran interessiert, irgendwelche Probleme festzustellen. Das liegt in der Natur der Sache. Leute, die eine kritische Vorstellung haben von der Funktion der Kernkraftwerke, verfügen in der Regel nicht über die notwendige Erfahrung mit dem Betrieb solcher Anlagen. Daher werden die Überprüfungen von den Kernkraftwerken selber gemacht. Die müssten sich ja praktisch selber bescheinigen, dass sie Schwachstellen haben. Das werden sie mit Sicherheit nicht tun.

TA: Das spricht nicht für ein übermässig grosses Vertrauen in die Aufsichtsbehörden, die diese Stresstests kontrollieren müssen.
Pflugbeil: Auch die Aufsichtsbehörden sind dazu nicht in der Lage. Für die deutschen Kernkraftwerke hat die Reaktorsicherheitskommission einen solchen Stresstest angeordnet und durchgeführt. Diese Kommission ist zusammengesetzt aus Fachleuten vom TÜV, mehreren Vertretern von Kernkraftwerken, vom französischen AKW-Bauer Areva, vom Stromkonzern E.on – alles Spezialisten, die ihre bisherige Arbeit in Frage stellen würden, wenn sie jetzt Probleme fänden. Die Kommissionsmitglieder haben sich an 
einen grossen Tisch gesetzt und Akten durchgeblättert, die ihnen die Betreiber der Kernkraftwerke zur Verfügung gestellt haben. Es hat kein einziger Besuch in 
einem Kernkraftwerk stattgefunden, keine einzige Messung, keine Materialprüfung. So taugt ein Stresstest nichts. Im Grunde ist er schon jetzt Makulatur.

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INES 8

Susanne Gerber

23.06.2011

Die internationale Atombehörde IAEA möchte den Schweregrad des Unfalls im AKW Fukushima von International Nuclear Event Scale (INES) 7 auf 8 erhöhen. Eine Stufe, die bis heute noch nicht einmal festgelegt worden ist. Das heißt, die Folgen der Katastrophe in Japan sind noch schlimmer als die von Tschernobyl. Über die Stufenerhöhung erklärte Yukiya Amano, Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde, dass die Dosis der radioaktiven Strahlung in Fukushima ein Mehrfaches der Dosis in Tschernobyl sei. Die Stufe 7, bis heute der höchste Grad eines Atomunfalls, könne die schlimme Situation in Japan nicht mehr hinreichend beschreiben.

Zuvor hatten bereits Wissenschaftler darauf hingewiesen, es gebe viel mehr Bewohner in Fukushima als in Tschernobyl, und außerdem sei das Leck von radioaktiven Partikeln schlimmer als jemals zuvor. Es sei deswegen nötig, dass die IAEA einen neuen Schweregrad einführen solle, um das Ereignis in Fukushima angemessen zu bewerten. Zu Beginn bewertete die Behörde den Unfall im Atomkraftwerk Daiichi in der japanischen Präfektur Fukushima mit Grad 4. Nach den Wasserstoffexplosionen in den Reaktoren 2, 3 und 4 erhöhte man den Grad auf INES-5. Unter Grad 5 versteht man einen Unfall mit „Risiken außerhalb des Felds“ und mit „begrenztem Radioaktivitätsleck“. Zudem liegt dann eine „schwierige Beeinträchtigung“ des Atomkerns im Reaktor vor. Im März, etwa einen Monat nach dem Unfall, erhöhte IAEA den Grad direkt auf INES-7.

Definition von INES-7: Katastrophaler Unfall. Schwerste Freisetzung, Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld, Erhebliche Freisetzung (Äquivalent von > einigen 10.000 TBq von Jod-131), Gesundheitliche Spätschäden über große Gebiete, ggf. in mehr als einem Land. Beispiel: Havarie des Kernkraftwerks Tschernobyl 1986, Ukraine – damals UdSSR (70.000 TBq).

http://german.china.org.cn/international/2011-06/23/content_22845560.htm

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100 Tage Fukushima

Susanne Gerber

21.06.2011

Pünktlich zum 100. Tag nach dem Beginn der Katastrophe ließen Reparaturtrupps die Luft aus einem der beschädigten Reaktoren frei. Das soll die Luftfeuchtigkeit – 99 Prozent – senken, damit die Arbeiter in dem verstrahlten Gebäude überhaupt arbeiten können, teilte der Betreiber Tepco mit. Das Luftablassen, das acht Stunden dauern sollte, gefährde die Umwelt nicht, teile Tepso mit. Es gebe jedoch eine andere Gefahrenquelle: Einige der stark strahlenden Geräte, die aus dem stillgelegten Reaktor 4 entfernt wurden und in Wasser lagern, lägen frei und gäben Radioaktivität in die Luft ab. Was bis gestern weiter nicht funktionierte, war die neue Dekontaminierungsanlage. Sie soll Cäsium aus dem bisher verseuchten Wasser absorbieren. Die Strahlenwerte seien jedoch schneller gestiegen als geplant.

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/vermischtes/Neue-Strahlenquelle-im-AKW-Fukushima;art4304,1008675

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Strontium

Susanne Gerber

13.06.2011

Wie der Betreiber Tepco bekanntgab, wurde nahe der Meerwasseraufnahme des AKW radioaktives Strontium gefunden. Dessen Konzentration liege bis zum 240-Fachen über der erlaubten Höchstgrenze. Nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde wurde das gefährliche Radionuklid außerdem im Grundwasser bei den beschädigten Reaktoren 1 und 2 des AKW entdeckt. Es sei das erste Mal, dass Strontium im Grundwasser gefunden worden sei, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo weiter berichtete.Radioaktives Strontium kann sich im Körper einlagern und Knochentumore oder Leukämie auslösen. Vor einigen Tagen waren bei Untersuchungen von Bodenproben im japanischen Katastrophengebiet bereits Spuren des Radionuklids entdeckt worden. Der Stoff sei an elf verschiedenen Standorten in der Provinz Fukushima gefunden worden, hatte das Wissenschaftsministerium bekanntgegeben. Eine Spur von Strontium wurde erstmals auch in der gleichnamigen Provinzhauptstadt Fukushima gefunden.

http://www.tagesschau.de/ausland/akwfukushima110.html

TEPCO announced that strontium-90 was also detected for the first time in ground water near the reactors’ buildings. A ground water sample taken on May 18, around reactor number 2, measured 6,300 becquerels per liter. And for reactor number one, the sample showed 22 becquerels. TEPCO explained it usually takes about 3 weeks to analyze the samples.

http://enenews.com/tepco-6300-bq-per-liter-of-strontium-90-found-in-groundwater

Strontium ist ein chemisches Element der II. Hauptgruppe, Symbol Sr, Ordnungszahl 38, Schmelzpunkt 768 Grad C, Siedepunkt 1380 Grad C, Dichte 2,67 g/cm3, unedles Metall, welches sich rasch mit dem Sauerstoff und der Feuchtigkeit der Luft verbindet. Strontium gehört mit seinen radioaktiven  Isotopen Sr 89 und  Sr 90 zu den gefährlichsten künstlichen Radionukliden. Physikalische Halbwertszeit 50,5 Tage bzw. 28,5 Jahre, die biologische Halbwertszeit ist mit 11 Jahren besonders lang. Beide Isotope zerfallen unter Aussendung von Betastrhlung . Sr 89 und Sr 90 gelangen über Fallout von Atomwaffentests und Abgaben von Kernkraftwerken in die Umwelt . Strontium ähnelt chemisch dem Calcium und wird an dessen Stelle in die Knochensubstanz eingebaut. Über die Nahrungskette reichert es sich in den Knochen an  und bestrahlt die blutbildenden Organe (Knochenmark), was zu Immunsystemschwächungen führen kann. Weitere mögliche Folgen sind Leukämie (Blutkrebs) und Knochenkrebs. Strontium steht im Verdacht, die Sterblichkeit von Säuglingen zu erhöhen. Sr 90 zerfällt in das radioaktive Yttrium, das sich besonders in der Hirnanhangsdrüse, dem Pankreas und den Eierstöcken anreichert. Die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) nimmt in der Steuerung des Hormonhaushalts eine zentrale Stellung ein, sie steuert Wachstum und Körperfunktionen. Schäden treten also insb. bei Embryos und Kleinkindern auf.

Lit.: P.Weish/E.Gruber: Radioaktivität und Umwelt, Stuttgart 1986
KATALYSE-Institut, Köln

Radionuklide

Bei einer Kernschmelze in einem Atomkraftwerk  gelangt radioaktive Substanz, sogenannte Radionuklide, in die Umwelt. Darunter Jod, Cäsium, Krypton, Tritium, Strontium, Uran und Plutonium. Radioaktives Jod und radioaktives Cäsium gehören zu den flüchtigen Stoffen, die sich mit der Luft verteilen. Strontium, Uran oder Plutonium dagegen binden sich an Staubteilchen in der Luft und werden als sogenannte Aerosole mit dem Wind manchmal Kilometer weit getragen. Keines der Radionuklide ist sicht- oder riechbar. Radioaktive Nuklide sind gesundheitsschädlich und können zum Tod führen. Menschen können sie, ohne etwas zu bemerken einatmen oder mit der Nahrung aufnehmen, so dass es zu einer Bestrahlung von innen kommt (interne Exposition). Es ist allerdings auch möglich, von außen radioaktiv bestrahlt zu werden (externe Exposition). Nicht die radioaktiven Stoffe selbst, sondern deren Strahlung ist so schädlich für die Gesundheit. Bei radioaktiven Stoffen zerfallen die Atomkerne nach und nach, indem sie mit großer Wucht kleinere Teilchen aus ihrem Inneren wegschleudern. Diese Teilchen wandeln sich dadurch um und verformen sich. Dieser Vorgang wird als radioaktive Strahlung bezeichnet. Auch im Körper aufgenommene radioaktive Stoffe zerfallen. Die Teilchen die dadurch entstehen werden als Radikale bezeichnet. Diese streben eine chemisch stabile Verbindung an. Entstehen diese Verbindungen, können sie zu DNA-Schäden bis hin zum Zelltod führen. Die Schwere der gesundheitlichen Schädigung ist von der Dauer der Bestrahlung und von der Intensität abhängig. Nach einem Atomunfall spielt die Nähe zum Unglücksort und die Dauer des Aufenthaltes am Unglücksort eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund werden nach einem Atomunfall die Anwohner im Umkreis von mehreren Kilometern so schnell wie möglich evakuiert.

Seit der Atomkatastrophe in Tschernobyl können Wissenschaftler die Wirkungen von bestimmten Radionukliden genau bestimmen. Der Aufnahme von radioaktivem Cäsium, vor allem Cäsium 134 und 137, über die Nahrung, das Trinkwasser und selten auch über die Luft führt dazu, dass sich der Stoff im ganzen Körper, vor allem aber im Muskelzellen und in den Nieren anreichert und dort das Gewebe nach und nach zerstört. Auch der Stoffwechsel im menschlichen Körper kann durch eine Überbelastung mit Cäsium gestört werden. Die Halbwertszeit für Cäsium beträgt 30 Jahre. Im Körper verbleibt es rund 110 Tage. Es gibt bisher keine medizinischen Maßnahmen, um die Strahlenbelastung durch Cäsium zu senken. Strontium 90 gehört zu den radioaktiven Stoffen, das sich in den Knochen bis hin zum Knochenmark einlagert und dort durch die ausgesendete Strahlung die Zellen verändert. Durch die Strahlung entstehen Knochentumore und Leukämie. Strontium 90 wird an Staubpartikel gebunden über die Luft oder die Nahrung aufgenommen. Die Halbwertszeit von Strontium liegt im menschlichen Körper bei 18 Jahren.  Strontium 90 kann mit einem normalen Geigerzähler im Körper nicht aufgespürt werden. Der Austritt von Plutonium ist besonders gefürchtet, da es zu den Ultra-Umweltgiften gehört. Plutonium schädigt den menschlichen Körper, besonders wenn es an Staubpartikel gebunden über die Luft eingeatmet wird. Plutonium kann aber auch über die Nahrung oder Wunden in den Körper gelangen. Wird Plutonium eingeatmet, reichert es sich vor allem in den Knochen, der Leber und den Lymphknoten an. Es kann zu Lungen-, Leber-, Blut- oder Knochenkrebs führen. Plutonium, das mit der Nahrung aufgenommen wird, kann zu einem großen Teil über den Magen-Darm-Trakt wieder ausgeschieden werden. Dennoch bleiben geringe Mengen des Giftes im Körper und schädigen ihn. Die Halbwertszeit von Plutonium in der Umwelt beträgt 24.000 Jahre. Im menschlichen Körper schwankt sie zwischen 20 und 100 Jahren. Radioaktives Jod – Jod 129 und 131 – wird hauptsächlich kurze Zeit nach einem Atomunfall eingeatmet oder über die Nahrung oder Trinkwasser aufgenommen, weil es eine kurze Halbwertszeit von acht Tagen besitzt. Es ist sehr flüchtig und wird so über die Luft über weite Entfernungen verteilt. Einmal im Körper setzt es sich vor allem in der Schilddrüse fest und kann langfristig zu Schilddrüsenkrebs führen. Um eine Strahlenbelastung mit radioaktivem Jod zu verhindern, kann man vor einer Verstrahlung Jodtabletten einnehmen. So ist die Schilddrüse ausreichend mit Jod versorgt und braucht nicht mehr das gesundheitsschädliche radioaktive Jod aufnehmen.

http://www.n-tv.de/Spezial/Wie-wirken-Radionuklide-article2839491.html

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Fiberkurve in Fukushima

Susanne Gerber

10.06.2011

https://chart.googleapis.com/chart?chof=gif&cht=lc&chxt=x,y&chxl=0:%7C18%7C19%7C20%7C21%7C22%7C23%7C24%7C25%7C26%7C27%7C28%7C29%7C30%7C31%7C6/1%7C2%7C3%7C4%7C5%7C6%7C7%7C8%7C9&chs=500x320&chd=t:0,0%7C45.4,36.3,46.5,36.2,196,201,192,215,43.7,63.8,215,225,41.8,59.0,185.0,209.0,222.0,250.0,27.0,35.5,200.47,51.2,224%7C1.04,1.04,1.03,1.02,1.01,1.01,0.997,0.987,0.958,0.959,0.950,0.944,0.936,0.928,0.919,0.909,0.898,0.889,0.879,0.873,0.867,0.857,0.839&chg=4.54,8.25&chco=0000FF,FF0000,FF9900&chds=0,300&chxr=0,0,500%7C1,0,300&chls=2,2,3%7C3,2,0%7C3,2,0&chm=o,FF0000,1,0:-1,8%7Co,FF9900,2,0:-1,8&chf=bg,ls,0,DDDDDD,0.15,FFFFFF,0.1

Unit 1 nuclear power plant Fukushima

http://atmc.jp/plant/rad/?n=1

0 – 300 Sievert/Hour

18. – 9.  May 18 – June 9 2011

Zu sehen ist ein sich wiederholender Anstieg und Abfall der Radioaktivitätswerte im Reaktor Nummer 1 des Kernkraftwerkes Fukushima im Zeitraum vom 18.05. bis 09.06.2011.

Die vollständige, tägliche aktualisierte Kurve ist unter obigem Link zu finden.

Was wir sehen ist quasi ein Siedevorgang. Die Radioktivität aus der Schmelze steigt aufgrund sich selbst induzierender, zunehmender Aktivität, mit ihr die Temperatur, bis zu einem bestimmten Punkt an und entlässt daraufhin dampfförmige Substanz, die als radioaktiver Dampf, Rauch, Qualm auf allen möglichen Wegen die Anlage verlässt und den Luftraum verseucht. Je nach chemischer Zusammenstzung dieser Dämpfe sind sie verschieden gefärbt. Danach sinken Aktivität und Temperatur bis die Eigendynamik wieder beginnt. Für diesen Vorgang ist keine Energiezufuhr notwendig, er ist aber auch, solange eine bestimmte Zusammensetzung der Materialen in einer ausreichenden Menge vorliegt, nicht zu stoppen. Die Schmelze erhitzt sich und brodelt solange genügend radioaktives Material vorhanden ist. Ein Anstieg der Aktivität und explosionsartige Eruptionen sind möglich. Zutretendes Wasser hat je nach Temperatur verschiedene Auswirkungen: Es schwemmt radioaktive Substanz und somit Strahlung aus dem undichten Reaktor in Grundwasser und Ozean oder es verdampft und kontaminiert die Atmosphäre oder es wird bei höheren Temperaturen in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten und kann zu weiteren Explosionen führen.

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Radioaktive Belastung für Kinder und Jugendliche reduzieren

Susanne Gerber

09.06.2011

Für Japan geht es jetzt darum die katastrophalen Folgen für die Gesundheit zukünftiger Generationen zu reduzieren. Dazu mehrere Vorschläge wie die radioaktiven Belastungen für Kinder und Jugendliche reduziert werden kann.

1. Eltern sollten die Freiheit bekommen ihre Kinder in südliche Landesteile umsiedeln zu können. Eine Evakuierung in die hochbelastete Präfektur Ibaraki, wie derzeit gängige Praxis ist völlig unzureichend. Negativer sozialer Druck auf die Eltern kann durch eine öffentliche Diskussion und Anteilnahme reduziert werden. Die Bevölkerung aus unbelasteten Regionen muss bereit sein Kinder und Jugendliche aufzunehmen. Die Finanzierung muss von der Firma Tepco bereitgestellt werden. (Das gesagte gilt ebenso für schwangere Frauen)

2. Alle Schulen des Landes müssen unbelasteten Lebensmitteln erhalten. Grenzwert: 4 Bq/kg Nahrung des Leitnuklids Cäsium 137 (Strahlentelex Nr. 582 vom 5.4.2011). Die japanische Regierung ist gefordert diese auf dem internationalen Markt einzukaufen und den Schulen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Die bisherigen Produzenten und Lieferanten müssen von der Firma Tepco entschädigt werden. Die Entsorgung der belasteten Lebensmittel ist ein riesiges Problem.

3. Milchvieh darf dieses Jahr (mindestens) in den Kantoregionen Chio und Tokoku nicht auf die Weide geführt werden. Die japanische Regierung ist gefordert unbelastetes Heu zur Verfügung zu stellen und zu finanzieren. Die dann unbenutzten Flächen sollten weiter Kultiviert werden, um die Belastung für das nächste Jahr zu reduzieren. Die Beseitigung des Grünschnittes ist ein riesiges Problem.

4. Japan braucht ein Regierungsprogramm um die zukünftigen Ernährungsprobleme zu lösen. (Wegfall von Blattgemüse, Wildpflanzen, Wildkräuter, Wildtiere, Pilze, Tee, Fische, Algen, und so weiter)

5. Die Präfekturregierungen sollten im Internet Kontaminationstabellentabellen aus einem möglichst dichten Messnetz zur Verfügung stellen um daraus Belastungslandkarten herstellen zu können zur Identifizierung radioaktiver Hotspots. Daraus ergeben sich Flächen, auf denen weiter Nahrungsmittel angebaut werden können und solche mit Nutzungseinschränkungen. Die Regierungen sollten bereitwillig Informationen aus der Zivilgesellschaft aufnehmen.

6. Eine Zensur findet nicht statt.

7. Bürgerinitiativen müssen sich gründen um das Heft in die Hand zu nehmen. Sie müssen eigene Messungen vornehmen und sich das Wissen zulegen wie mit radioaktiven Belastungen umzugehen ist.

8. „Die Menschen brauchen eine neue Art des Umgangs mit den Risiken der Radioaktivität, eine neue Art der Lebenskultur in radioaktiven Territorien“. (staatliches Chernobylkomitee Belarus zum Pilotprojekt ETHOS)

9. Alle gesellschaftlichen Akteure sollten daran mitarbeiten um zusammen mit den betroffenen Menschen pragmatische Strategien für den Alltag zu entwickeln. (z.B. strahlenarme Aufzucht von Tieren, strahlenarme Zubereitung von Nahrung)

11. In Ukraine und Russland werden die Cäsiumbelastungen der Menschen mit Apfelpektinkuren auf 2/3 reduziert.

12. Nach dem weglassen von Cäsium belasteter Nahrung reduziert sich die Körperbelastung nach 1 Monat um 15%, nach 6 Monaten ist sie nur noch sehr gering. (biologische Halbwertzeit)

13. Kinder und Jugendliche brauchen ein extra Trainingsprogramm und psychosoziale Betreuung. Radioaktivität können sie nicht hören, nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken und nicht fühlen.

http://de.indymedia.org/2011/06/309425.shtml

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Kernschmelze und 5,88 Millisievert pro Stunde in Tokio und…?

Susanne Gerber

07.06.2011

„Drei Monate nach Beginn der Natur- und Atomkatastrophe in Japan ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima weiterhin außer Kontrolle. Die Regierung bestätigte am Montag, dass es bereits kurz nach Beginn der Katastrophe in den Reaktoren 1 bis 3 des AKW zu Kernschmelzen gekommen war. Die in den ersten fünf Tagen seit dem Beben und dem Tsunami in Fukushima am 11. März freigesetzte Radioaktivität sei mit 770.000 Terabecquerel doppelt so hoch gewesen wie zunächst geschätzt. Das gab die Atomaufsichtsbehörde bekannt. Die Regierung erwägt, wegen der langfristigen Strahlenbelastung noch mehr Menschen außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone zum Verlassen ihrer Häuser aufzufordern. Der Betreiber der Atomruine, Tepco hatte bereits im Mai bekannt gegeben, dass die Kernbrennstäbe in Reaktor 1 zum größten Teil geschmolzen sind. Zu dem Zeitpunkt hatte Tepco erklärt, dass dies möglicheweise auch in den beiden anderen Reaktoren passiert sei. Das wurde von der Behörde jetzt bestätigt. “

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-06/japan-atom-kernschmelze

Die Menge an Kernbrennstoff im KKW Fukushima 1

In obiger Tabelle werden sogenannte Assemblies aufgeführt. Das ist ein Paket aus 60 Brennstäben. Jedes Paket wiegt 170 kg. Multipliziert man den Wert 10.661 mit 0,170 Tonnen, kommt man auf 1800 Tonnen Brennstoff-Material. Dieser Wert deckt sich ungefähr mit den Angaben aus dem Protokoll von Tepco. 1000 Tonnen lagern im shared-pool und sollen weniger radioaktiv sein. Aber auch diese müssen weiterhin gekühlt werden !

Download Inspektions-Protokloll-Dez2010-Tepco

Insgesamt entliess und entlässt das Kraftwerk Fukushima I also 2800 Tonnen höchst- und hochradioaktives Material in die Umwelt. Davon ist ein Teil durch die bereits stattgefundenen Explosionen in die Atmossphäre und in die Umgebung des Kraftwerks gelangt. Die weitere Dampf- und Rauchentwicklung und etwaige weitere Explosionen werden den Luftraum weiter belasten. Ein anderer Teil der radioaktiven Substanz wird durch Kühl- und Regenwassermassen in den Pazifischen Ozean und das Grundwassersystem Japans gespült. Auch dieser Prozess ist seit Wochen im Gange und wird im Wesentlichen unaufhaltsam fortschreiten. Die Tausenden von Tonnen kontaminierten Wassers, die sich noch in den Gebäuderuinen des Kernkraftwerks befinden, sind nur ein Bruchteil des Wassers, der bereits in die Umwelt gelangt ist und weiterhin gelangen wird. Chemische Reaktionen der freiliegenden, geschmolzenen, radioaktiven Masse  mit den Baustoffen der Anlage wie Beton, Stahl, Blei, andere Metalle, Kunststoffe, Schmiermittel und Öl, führen zur Bildung erheblicher Mengen von giftigen Stoffen, die gasförmig und, oder wasserlöslich die Umwelt vergiften.

Die Strahlung

Im havarierten japanischen Atomkraftkraftwerk Fukushima I ist ein Anstieg der Radioaktivität gemessen worden. Wie die Betreibergesellschaft Tepco mitteilte, wurde in Block 1 eine Strahlung von 3000 bis 4000 Millisievert pro Stunde gemessen. Das ist die höchste bisher in der Luft gemessene Radioaktivität in der schwer beschädigten Anlage. Die Messdaten bedeuten, dass Arbeiter innerhalb von vier Minuten der höchsten zulässigen jährlichen Strahlendosis von 250 Millisievert ausgesetzt wären. Und dies, obwohl die japanische Regierung die zulässige Dosis nach der Havarie hochsetzte. Vor der Reaktorkatastrophe galt für Beschäftigte in Atomanlagen noch ein Grenzwert von 100 Millisievert pro Jahr.

http://www.tagesschau.de/ausland/akwfukushima102.html

Die Meldung, mit welcher die NISA die Welt nun überraschte, war die plötzliche Verdoppelung der angenommenen Mengen in die Umwelt gelangten radioaktiven Materials. Man geht seitens der japanischen Aufsichtsbehörde nun von einer Gesamtmenge von 770.000 Terabecquerel aus. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet das Präfix tera Billionen. Um ein Gefühl zu bekommen, um welche Ausmaße an radioaktiven Stoffen es hier geht – diese Zahl bedeutet, dass das ausgetretene Material, sei es beispielsweise Jod 131, Caesium 134 oder 137, insgesamt ein Zerfallspotential besitzt, bei dem in jeder Sekunde 770.000 Billionen mal ein Atom zerfällt und damit eine Ladung aussendet. In der Masse dieser Zerfallsvorgänge entsteht dann die Strahlung. In Europa darf derzeit ein Kilogramm eines Lebensmittels, außer Milch und Babynahrung, bis zu 1.250 Becquerel radioaktiver Stoffe enthalten, bevor es nicht mehr verzehrt werden darf. Man kann sich leicht ausrechnen, wie viel organische Substanz verseucht werden könnte und verseucht worden ist. http://www.suite101.de

Video: 5,77 microsieverts per hour in Tokyo

I am 135 miles / 220 Km south of Fukushima, on the outskirts of the Tokyo area. It is Tuesday, June 7th […] I just walk outside of my house and …. radiation. The air is not dangerous but the ground is. The radiation is much higher in low lying areas and the government here is desperately trying to keep it quiet.

http://enenews.com/5-77-microsieverts-per-hour-of-radiation-measured-near-tokyo-at-ground-level-govt-is-desperately-trying-to-keep-it-quiet-video

Japanische Wissenschaftler haben am Montag genauere Bodenanalysen um das Kernkraftwerk Fukushima gefordert, nachdem außerhalb des Geländes des Kraftwerks nicht näher bezifferte Spuren des hochgiftigen Plutoniums etwa 1,7 Kilometer vom Kernkraftwerk entfernt gefunden wurden… In der Präfektur Fukushima begannen 80 Fachleute am Montag mit der Entnahme von Bodenproben zur Feststellung von Radioaktivität. Bisher hatten Messungen nur vom Flugzeug aus stattgefunden. Danach soll eine Karte der Radioaktivität erstellt werden.

http://www.faz.net/artikel/C31325/japan-mehr-radioaktivitaet-in-fukushima-30433689.html

Heute fand die erste Sitzung der auf Beschluss des japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan gebildeten unabhängigen Kommission für die Untersuchung der Ursachen der Havarie im Kernkraftwerk „Fukushima 1“ statt. Ihr gehören 10 Fachleute, unter anderem für die Seismologie, Radiologie und Kernkraftwerke und Juristen an. Sie sollen die Neutralität und die volle Durchsichtigkeit der Untersuchung der Havarie in „Fukushima 1“ sichern.  Die Kommission wird Empfehlungen zur Überwindung der Folgen der Havarie geben und Maßnahmen, darunter auch gesetzgebende, für die Festigung der Sicherheit in Kernkraftwerken und die Reformierung der Kontrollorgane in diesem Bereich vorschlagen. Man plant auch ausländische Experten, unter anderem aus Russland, den USA, Frankreich, China und Südkorea zu dieser Arbeit heranzuziehen.  ITAR TASS

Sind Strahlenschäden heilbar?

Mit der Angst vor dem Strahlentod lassen sich nach Fukushima plötzlich wieder Geschäfte machen. Diese Hoffnung jedenfalls treibt Pharmahersteller derzeit weltweit um. Manche, das berichtet ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), rufen direkt an und bitten unverhohlen um Marketinghilfe. Andere, wie die US-Biotechfirma Cleveland Biolabs in Buffalo, lancieren vermeintlich sensationelle Pressemitteilungen: Schon bald, so die Firma, könne der Durchbruch gelingen für ein Medikament, das den programmierten Zelltod strahlengeschädigter Zellen über die Gabe eines Proteins verhindere oder zumindest hinauszögere. Das Problem: Getestet wurde bislang nur an Mäusen, deren Leben teilweise um zwei Wochen verlängert werden konnte. „Überoptimistisch“ nennt solche Meldungen der Strahlentherapeut und Physiker Peter Huber, der am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg arbeitet: „Die Wissenschaft stochert leider noch im Heuhaufen herum, ohne das Gesamtbild im Organismus zu verstehen.“ Warum das so ist? Strahlung ist lokal kaum eingrenzbar und die Schäden sind entsprechend schwierig behandelbar. Und: „Strahlung ist in jeder Dosis schädlich.“ Wie schädlich, hängt ab von ihrer Höhe, Dauer und der Art der Exposition. Davon wiederum hängt ab, welche Organe besonders gefährdet seien, akut und langfristig. Generell empfindlich auf ionisierende Strahlung reagieren DNA und andere Zellbestandteile im Darm, Knochenmark, Lunge, Leber, Nerven, was zum Beispiel akute Auswirkungen auf das Blut haben kann: Hier kann Strahlung zu Gerinnungsproblemen führen und damit zu unstillbaren inneren Blutungen. Bei Beschädigung der weißen Blutkörperchen wiederum droht der Verlust jeglichen Entzündungsschutzes vor sonst harmlosen Bakterien. Vorübergehend auftreten können jedoch Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall sowie leichte Blutbildänderungen und bei Männern verminderte Spermienbildung. Da statistisch auch Mutationen in der DNA auftreten werden, gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für die Spätfolge Krebs. Als Wahrscheinlichkeitsabschätzung gilt unter Medizinern: Die Zunahme der Krebssterblichkeit beträgt 10 Prozent pro Sievert, also 2,5 Prozent pro 250 Millisievert. Umgerechnet auf das Risiko der japanischen Arbeiter bedeutet das: Erstens: Die normale Krebssterblichkeit liegt in Japan (wie in Deutschland auch) bei etwa 25 Prozent. Zweitens: Bei einer Belastung von 250 Millisievert steigt folglich das Risiko, an Krebs zu sterben, von 25 auf 27,5 Prozent. Drittens: Das entspricht einem relativen Unterschied von etwa zehn Prozent. Und ist damit – viertens – nicht unbeachtlich.

Zu der Frage, wie strahlenbedingte innere Blutungen im Magen-Darm-Bereich gestoppt oder zumindest verringert werden können, forscht derzeit das Aachener Pharmaunternehmen Paion, 28 Mitarbeiter klein. Paion will dazu das körpereigene Enzym Solulin, das normalerweise die Blutgerinnung regelt, aber durch Strahlen zerstört wird, gentechnologisch erzeugen und dem Körper nach einem Strahlenschaden wieder zuführen.

Zwar eruieren das US-Militär, die Weltraumbehörden Nasa und ESA sowie Strahlenmediziner und Pharmahersteller weltweit seit Jahrzehnten immer wieder, wie die Heilungschancen nach einer Schädigung durch ionisierende Strahlung oder nach der Aufnahme radioaktiver Partikel in den Körper gesteigert werden könnten. Doch das Problem: Bislang forscht jeder für sich, Kooperationen sind selten, ihre Finanziers knauserig. Das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Lobbyinteressen. Es liegt auch daran, dass die Erfolgsaussichten frustrierend sind: Wenn der Körper durchstrahlt wird, etwa weil Sie in unmittelbarer Umgebung eines havarierten AKWs leben, wenn also ein Schwall partikelloser Strahlungen durch Sie hindurchtritt, dann schützt Sie gar nichts. Dann führt das zu Multiorganversagen und zum Tod.

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