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Tschernobyl ist überall – Tschernobyl is everywhere

05.08.2011

Susanne Gerber
Samstag, 26. April 1986, 1 Uhr, 23 Minuten, 40 Sekunden. Im Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl explodieren 180.000 Kilogramm hochradioaktives Material aus dem Inneren des Reaktors. Das entspricht der Menge von 1.000 Hiroshima-Bomben… Als die ferngesteuerten Maschinenroboter, die u.a. das Dach von den Graphitblöcken reinigen sollten (…) wegen der hohen Radioaktivität nicht funktionierten, wurde eine riesige Armee menschlicher Roboter eingesetzt, die Liquidatoren (…) Viele Liquidatoren, schätzungsweise zwischen 50.000 bis 100.000, sind gestorben, und 90 Prozent von ihnen sind schwer erkrankt. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet das: 540.000 bis 900.000 junge Männer sind infolge von Tschernobyl schwer erkrankt.[1]

Der »größte anzunehmende Unfall« (GAU), der laut Atomindustrie einmal in 1.000.000 Jahren passieren könnte, ereignete sich gerade einmal 15 Jahre nach der Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes in Tschernobyl. Er hat die »Restrisiko«-Logik auf tödliche Weise ad absurdum geführt – und Hunderttausenden von Menschen das Leben zerstört bzw. gekostet.

Dieser GAU hatte nicht nur tödliche Strahlung »frei«gesetzt. Auch die absurde Konstruktion von der »friedlichen Nutzung der Kernenergie« und die sie tragende Große Koalition aus Politik, Wirtschaft und Militär standen kurz vor dem Abgrund.

Die für tot erklärte Anti-AKW-Bewegung kehrte zurück auf die politische Bühne.

Trotz vielfältigster Aktionsformen und einer nie da gewesenen politischen Breite, von Naturschützern, Umweltorganisationen, Untergliederungen von Regierungs- und Oppositions-Parteien bis hin zu autonomen Gruppen gelang es der Anti-AKW-Bewegung bis dahin nicht, das Atomprogramm einschneidend zu gefährden. Die breite Ablehnung der Bevölkerung gegenüber der Atompolitik schlug nicht in eine Krise der politischen Repräsentation um.

Im Gegenteil: Politisch setzte die Große Koalition der Atomkraftbefürworter auf Spaltung der Bewegung, in Gewaltfreie und Gewalttätige. Damit einher ging eine wachsende Repression, die sich der Grenze militärischer Eskalation näherte: Der Bundesgrenzschutz/BGS wurde erstmals zur Niederschlagung politischer Auseinandersetzungen im Inneren eingesetzt: Zug um Zug verwandelte sich der BGS in eine paramilitärische Option gegenüber dem radikalen Teil der Anti-AKW-Bewegung: Schützenpanzer, BGS-Hubschrauber und BGS-Einheiten gehörten fortan zum ganz normalen Erscheinungsbild staatlicher Macht.

Die zwischen Neubestimmung und Resignation schwankende Anti-Akw-Bewegung wurde von den Ereignissen nach Tschernobyl überrollt und mitgerissen: Hunderttausende demonstrierten in zahlreichen Städten der BRD. Auf unglückliche Weise löste der GAU in Tschernobyl die schon lange erhobene Forderung: »Weg von den Bauzäumen, zurück in die Städte« ein. In Frankfurt demonstrierten 10.000 gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Jede Art von Gemüse flog durch die Scheiben des Rathauses. Am 8.11.1986 demonstrierten über 20.000 Menschen gegen die Atom-Firmen Alkem/Nukem in Hanau. Produktionszentrum für nukleare Brennstoffe, die sowohl für Atomkraftwerke als auch für Atomwaffen genutzt werden können – Inbegriff des fließenden Überganges von ziviler zur militärischen Nutzung der Atomenergie. Der Friedensforscher Robert Jungk beendete seine Rede vor den Toren von Alkem/Nukem mit den Worten: »Macht kaputt, was euch kaputt macht.« und bis Ende des Jahres wurden knapp 100 Strommasten umgesägt… Plötzlich schien es möglich zu sein, die Friedensbewegung zu radikalisieren und die Anti-Akw-Bewegung zu verbreitern, gesellschaftliche Verankerung und politische Zuspitzung miteinander zu verbinden. Nicht nur den AKW-Betreibern, auch den politisch Verantwortlichen war klar, dass das Atomprogramm auf der Kippe stand.

Schwerer Atomunfall in Geesthacht 1986

Inmitten dieser aufgeheizten Stimmung und politisch äußerst brisanten Lage ereignete sich am 12. September 1986 ein weiterer »Atomunfall«, nicht in der Sowjetunion, weit weg, sondern bei Geesthacht an der Elbe[2]. Auf dem Gelände des staatlichen Forschungszentrums GKSS (früher Gesellschaft zur Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt) kam es zu einem »Brand«[3]. In Folge dieses Ereignisses wurde eine erhöhte Radioaktivität in der näheren Umgebung gemessen. Ein »Brand«, ein (atomarer) Unfall, der bis 2001 geheim gehalten werden konnte.

Alarmiert durch erhöhte Radioaktivität machte die dort aktive Bürgerinitiative zuerst das nahe liegende AKW Krümmel dafür verantwortlich. Die Landesregierung und vor allem Bundesstellen und (Aufsichts-)Behörden nahmen dankbar den Verdacht eines radioaktiven Lecks im AKW Krümmel auf und veranlassten entsprechende Untersuchungen. Weder wurde in ›alle Richtungen‹ ermittelt, noch in eine andere, ausschließlich in die falsche!

Es wurde unterlassen, Bodenproben auf dem Gelände der GKSS, in unmittelbarer Nachbarschaft zum AKW Krümmel gelegen, zu nehmen. Es fanden keine Durchsuchungen auf dem Gelände der GKSS statt. Es wurden keine Unterlagen beschlagnahmt, die die Aktivitäten der GKSS aufzeichneten und »Experimente« dokumentierten. Es wurden keine Mitarbeiter des atomaren Forschungszentrums vernommen…. Selbst das Naheliegendste lag den ermittelnden Behörden völlig fern: Die Einsatzprotokolle und sichergestellten Fundstücke der lokalen Feuerwehr, die einen Brand am selben Tag löschte, anzufordern und auszuwerten.

Die Intensität, mit der falsche Fährten gelegt, offensichtliches unterlassen und belastendes (verstrahltes Material) beiseite geschafft wurde, würde für eine ganze Krimi-Serie reichen:

Der Brand am 12.9.1986 zerstörte nicht nur Fauna und Flora: »Auf einer früheren Luftaufnahme ist dort (ein zwischen GKSS und Kernkraftwerk Krümmel gelegenes Areal, dV.) noch ein Gebäude erkennbar.«[4]

Auf dem Gelände der GKSS befanden sich auch mehrere Strahlendetektoren. Genau dort, wo sich der Unfall ereignete, fiel der Strahlendetektor ›3/9‹ (»Lokalisation: GKSS Tesperlude/Institut für Physik«[5]) über zwölf Wochen aus. Ein entsprechender Registrierungsauszug der Fa. ESN belegt dies eindeutig: »38. -49. KW ungeplante Stationsverlegung nach Brand am ursprünglichen Aufstellungsort.«[6]

»Im Zeitraum zwischen dem 15.9.1986 und dem 14.9.1987 wurden per Lkw ›bestrahlte Brennstabsegmente‹ ins bayrische Karlstein gefahren.«[7]. Bis heute bleiben die Aussichtsbehörden die Antwort schuldig, was es mit dieser Fracht, mit diesen »bestrahlten Brennstabsegmente« auf sich hatte. Das Ziel dieser LKW-Fahrten ist aufschlussreich: In Karlstein/Bayern befand sich ein Zwischenlager für Brennelemente. 1993 wurde dieses atomare Zwischenlager außer Betrieb genommen.

Konzentrierte Untätigung

Die behördliche Unterlassung von Untersuchungen auf dem Gelände der GKSS, die gezielte Untätigkeit der Staatsanwaltschaft, das Unterbleiben eines Ermittlungsverfahrens, das Nichteinschalten des LKA, die verschwundenen Deklarations-Unterlagen über die Transporte ins atomare Zwischenlager Karlstein, die unauffindbaren Protokolle über all das, was in Karlstein »entsorgt« wurde, kann man für eine lückenlose Verkettung von sagenhaften Zufällen halten. Weniger mystisch lässt sich darin der von Robert Jungk skizzierte Atomstaat erkennen. Ein vorsichtiger Versuch, das perfekte Zusammenspiel von privaten Atomfirmen und staatlicher Atomforschung, atomaren Aufsichtsbehörden und (Landes/Bundes)-Regierung, Justiz und Polizei, Staatsschutzbehörden (LKA/MAD) und Militär nicht mit Zufälligkeiten, sondern mit Systematik zu erklären. Das genaue Gegenteil von dunklen Andeutungen und gruseligen Verschwörungstheorien.

Wären ein paar Monate nach Tschernobyl die offiziellen Untersuchungen nicht ausschließlich auf das AKW Krümmel fokussiert, sondern auf das GKSS ausgedehnt worden, wären Spuren und Zusammenhänge ans Tageslicht gekommen, die das Atomprogramm mehr gefährdet hätten, als die wieder an Kraft gewonnene Anti-AKW-Bewegung.

So brauchte es 15 Jahre, bis der Nachweis erbracht werden konnte, dass nicht das AKW Krümmel für die erhöhte Radioaktivität ursächlich verantwortlich war, sondern das ganz in der Nähe gelegene Forschungszentrum GKSS. Viel zu spät entdeckten Wissenschaftler der Arbeitsgemeinschaft für Physikalische Analytik und Messtechnik (Arge PhAM) in der Umgebung der GKSS millimetergroße Kugeln, die weder in der Natur, beim Betrieb eines AKWs, noch bei oberirdischen Atomtests ›abfallen‹. Auf Dachböden und im Erdreich wurden Transurane, u.a. Plutonium-241 und Americium-241 gefunden.

Nachdem alle deutschen Forschungsinstitute unisono eine Untersuchung der Bodenprobe ablehnten, wurde die internationale Sacharow-Universität in Minsk mit der Analyse beauftragt. Das Ergebnis war sensationell und ist  bis heute nicht bestritten: Die nukleartechnischen Kügelchen enthalten die spaltbaren Stoffe Uran, Plutonium-241, Americium-241 und Curium. In der Fachwelt werden sie als »sphere PAC« bezeichnet.

Diese »PAC-Kügelchen« versinnbildlichen auf anschaulichste Weise den zivil-militärischen Doppelcharakter (Dual-Use) der angeblich ausschließlich friedlichen Nutzung der Nuklearforschung: Sie können als Brennstoffe für Hochtemperaturreaktoren genutzt werden. Aufgrund des hoch angereicherten Urans bzw. Plutoniums stellen sie zugleich die entscheidenden Komponenten für militärische Optionen dar.

Diese Entdeckung hätte zum falschen Zeitpunkt fatale Folgen haben können. Erstens: Die notorische Behauptung aller deutschen Bundesregierungen, die Nuklearforschung diene ausschließlich friedlichen Zwecken, hätte widerlegt werden können. Zweitens: Der Nachweis wäre erbracht, dass die Bundesrepublik seit Jahren den von ihr unterschriebenen Atomwaffensperrvertrag gebrochen hat. Drittens: Der »Atomstaat« wäre keine paranoide Vorstellung von Anti-AKW-Gegnern, sondern eine zwingende Konsequenz aus der Tatsache, dass der militärische Charakter der Atomforschung unter allen Umständen geheim gehalten werden muss.

Ex-Ministerpräsident Barschel wollte auspacken – und mußte sterben (wollen)

Das heutige Wissen über einen verschwiegenen Atomunfall auf dem Gelände der GKSS lässt ein weiteres Ereignis in einem möglicherweise anderen Licht erscheinen. Uwe Barschel (CDU) war Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, als sich der Atomunfall in Geesthacht ereignete. Nur ein Jahr später, 1987, standen Landtagswahlen an und der Spitzenkandidat der CDU fürchtete um seine Wiederwahl. Mit dreckigen Tricks versuchte er den Gegenkandidaten der SPD, Björn Engholm zu diskreditieren. Als dies bekannt wurde, seine »Ehrenworterklärung« kein Pfifferling mehr wert war, trat er am 2.10.1987 zurück. Kurz danach machte er zusammen mit seiner Frau Urlaub auf Gran Canaria. Dort erreichte ihn die Meldung, dass ein Untersuchungsausschluss zur »Barschel-Affäre« eingerichtet worden ist. Der Ex-Ministerpräsident zeigte sich erbost und drohte – im Gegenzug – vor dem Untersuchungsausschuss »auszupacken«. Noch auf Gran Canaria vereinbarte Uwe Barschel ein Interview mit der Illustrierten ›Stern‹ in Genf. Reagiert so ein Mann, der nicht mehr weiter weiß?

Uwe Barschel brach seinen Urlaub ab und flog alleine in die Schweiz, nach Genf. Zur selben Zeit flog Werner Mauss, mit seiner Frau und einer unbekannt gebliebenen Person nach Genf. Werner Mauss arbeitete sowohl für den Verfassungsschutz, als auch für den Auslandsgeheimdienst/BND. Tags darauf wurde Uwe Barschel tot in der Badewanne gefunden, als hätte der Herausgeber des Selbsthilfe-Buches »Wie begehe ich Selbstmord ganz sicher«, eine Demonstration abgeliefert. Mit der Umsicht eines Menschen, der keinen Ausweg mehr sah, ließ Uwe Barschel seine Hotelzimmertür offen, damit ein Stern-Reporter das Foto schießen konnte, das den Selbstmord eindrucksvoll belegen sollte…..

»Um 12.51 Uhr (…), ungefähr zwanzig Minuten, nachdem man Barschels Leiche gefunden hat, verlässt die gecharterte Maschine mit dem Ehepaar Mauss an Bord Genf und macht sich auf den Rückflug nach Frankfurt.«[8]

Warum ein Ex-Ministerpräsident nach Genf flog, um dort Selbstmord zu begehen, konnten und wollten die Untersuchungen nicht klären. Die Familie Barschel widersprach jedenfalls der »Selbstmordthese«. Die Untersuchungen Schweizer Behörden wiesen auf deutliche Anzeichen eines Fremdverschuldens hin. Dennoch verliefen alle weiteren Untersuchungen (in Deutschland) im Sand.

Ein ganz normaler Skandal um schmutzige Praktiken, an der Macht zu bleiben, drohte außer Kontrolle zu geraten. Was stand alles auf dem Spiel? Wer befürchtete eine ungewollte Kettenreaktion? Was hätte der Ex-Ministerpräsident alles auspacken können? Bisher war nur von illegalen Waffengeschäften die Rede, in die Uwe Barschel verwickelt gewesen sein soll. Doch was wusste Uwe Barschel als oberster Dienstherr über Projekte im staatlichen Forschungszentrum GKSS, die der Geheimhaltung (wie z.B. Experimente zur Urananreichung[9]) unterlagen?

Das atomare Forschungszentrum GKSS – ein zivil-militärischer Komplex

Nachdem sich der Schwerpunkt der (unabhängigen) Nachforschungen ab 2001 auf das atomare Forschungszentrum GKSS verlagerte, häuften sich abermals die ›Zufälle‹: Im Büro der Feuerwehrzentrale, die den Brand auf dem Gelände der GKSS löschte, brach am 1.9.1991 ein Feuer aus – und vernichtet alle dort gelagerten Unterlagen. Kopien über den Feuerwehreinsatz auf dem Gelände der GKSS ließen sich partout nicht in deren Geschäftsunterlagen finden. Und trotz Bitten und Betteln der Untersuchungskommissionsmitglieder lehnten sowohl die zuständige Staatsanwaltschaft, als auch das LKA die Einleitung (bisher unterlassener) Ermittlungsverfahren ab. Im Fußball ein klassischer Fall von Doppeldeckung. Was in jedem anderen (oppositionellen) Fall für Hausdurchsuchungen, Razzien, vorläufige Festnahmen, Polizeiaktionen unter dem Vorzeichen »Gefahr im Verzug« und bundesstaatsanwaltschaftliche Ermittlungen reichen würde, hatte in diesem Fall organisiertes Stillhalten zur Folge.

Ob es sich bei den gefundenen Transurane um PAC-Kügelchen handelt, ob damit – unter Verstoß des Atomwaffensperrvertrags – mit militärischer Zielsetzung geforscht und experimentiert wurde, hätten die zuständigen Behörden schnell klären bzw. sicher entkräften können:

Die Atomfirma ›Hobeg‹ in Hanau hatte damals die kugelförmigen Brennelemente für den Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop und den Forschungsreaktor in Jülich hergestellt. Ein Vergleich der dort produzierten kugelförmigen Brennelemente mit den Funden in der Umgebung der GKSS hätte jeder Spekulation den Boden entziehen können. Nichts, aber auch gar nichts wurde unternommen.

Auch die Dementis der Landesregierung und aller Bundesaufsichtsbehörden, auf dem Gelände der GKSS habe es gar keinen Unfall gegeben, könnten schnell und eindeutig untermauert bzw. ad absurdum geführt werden. Wenn die »Fachkommission Leukämie« über Luftbilder vor dem 12.9.1986 verfügt, auf denen eindeutig ein Gebäude zu erkennen ist, das es nach dem Unfall nicht mehr gab, dann liegt es an der Aufsichtsbehörden, diesem schwerwiegenden Indiz nachzugehen, anstatt geisteswissenschaftliche Überlegungen über die Hintergründe der gemachten Vorwürfe anzustellen.

Die wiederholte Anfrage an die Pressestelle der GKSS, einen Lage- bzw. Gebäudeplan aus den 80er Jahren zur Verfügung zu stellen, wurde bis dato mit transparentem Schweigen quittiert. Interessanterweise findet man auf dem aktuellen Lage- und Gebäudeplan der GKSS[10] kein Gebäude mehr, das den Namen »Institut für Physik« trägt. Hat es sich einfach in Luft aufgelöst?

1992 wurde die »Untersuchungskommission Leukämie« von der schleswig-holsteinischen Landesregierung eingesetzt. Nachdem diese Jahre lang den falschen Spuren folgte, änderte sich ab 2002 die Untersuchungsrichtung. Sie ging neuen Spuren nach und beantworte Fragen, die zuvor nie gestellt wurden.

2004 stellte sie ihren Abschlussbericht[11] vor. Er war vernichtend – für die Auftraggeber:

1. Die Funde von Transurane (allen voran Plutonium-241 und Americium-241) sind weder auf das AKW Krümmel, noch auf die Folgen von Tschernobyl zurückzuführen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie das Ergebnis von (misslungenen) »besonderen kerntechnischen Experimenten«[12] auf dem Gelände der GKSS.

2. Alle (Aufsichts-)Behörden und Dienststellen, die die Untersuchungskommission um Mithilfe bat, behinderten im hohem Maße die Aufklärung.

3. Um der Landesregierung nicht länger als Alibi für eine »unabhängige« Untersuchung und vorbehaltslose Aufklärung zu dienen, trat die Mehrheit der Mitglieder der Untersuchungskommission zurück.

Eigentlich ist ein Brand in einem Feuerwehrhaus, bei dem die Unterlagen eines anderen Brandes zerstört werden, nicht zu toppen. Doch die Landesregierung setzte im Rahmen der organisierten Vertuschung und Unterlassung noch eines drauf. Als absehbar war, dass die von ihr eingesetzte Untersuchungskommission nicht zu dem gewünschten Ergebnis kommt, setzte die Landesregierung Schleswig-Holsteins zum Plot an:

Sie beauftragte Dr. Wolters mit Expertisen und Gegengutachten, die die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der eingesetzten Untersuchungskommission widerlegen sollten. Jener Dr. Wolters war langjähriger Leiter des Referats Reaktorsicherheit im MFE[13]. Er war also verantwortlich für die Aufsicht der Geesthachter Nuklearanlagen (Kernkraftwerk Krümmel und GKSS). Nachdem er vorzeitig in den Ruhestand versetzt wurde, wechselte er zur Firma »SAST« und fertigte dort als »unabhängiger« Gutachter jene Expertisen und Gegengutachten an, die das Cleaning seiner eigenen Aufsichtstätigkeiten mit zum Gegenstand hatten.

Das ist das vorläufige Ende eines Politthrillers, der in einer Gegend spielt, die heute die weltweit einmalige Häufung von Leukämie-Erkrankungen aufweist.

Solange Behörden und Regierungsstellen nicht ihrer Pflicht zur Aufklärung nachkommen, ist von der Größten Anzunehmenden RegierungsKriminalität /GARK auszugehen.

Wolf Wetzel 2006

http://wolfwetzel.wordpress.com/2007/08/01/tschernobyl-ist-uberall/

Eine um aktuelle Ereignisse ergänzte Fassung findet ihr bei Telepolis vom 9.11.2009  mit dem Titel: Mit fragwürdigen Methoden zurück in die Atomkraft? unter:

http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/31/31449/1.html&burl=/tp/r4/artikel/31/31449/1.html&words=Gef%E4lligkeitsgutachten

Eine gekürzte Fassung erschien unter dem Titel »Ein fast perfektes Verbrechen« in der Wochenzeitung ›Freitag‹ am 11.8.2006

 

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