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power – strom und macht

Strontium

Susanne Gerber

13.06.2011

Wie der Betreiber Tepco bekanntgab, wurde nahe der Meerwasseraufnahme des AKW radioaktives Strontium gefunden. Dessen Konzentration liege bis zum 240-Fachen über der erlaubten Höchstgrenze. Nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde wurde das gefährliche Radionuklid außerdem im Grundwasser bei den beschädigten Reaktoren 1 und 2 des AKW entdeckt. Es sei das erste Mal, dass Strontium im Grundwasser gefunden worden sei, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo weiter berichtete.Radioaktives Strontium kann sich im Körper einlagern und Knochentumore oder Leukämie auslösen. Vor einigen Tagen waren bei Untersuchungen von Bodenproben im japanischen Katastrophengebiet bereits Spuren des Radionuklids entdeckt worden. Der Stoff sei an elf verschiedenen Standorten in der Provinz Fukushima gefunden worden, hatte das Wissenschaftsministerium bekanntgegeben. Eine Spur von Strontium wurde erstmals auch in der gleichnamigen Provinzhauptstadt Fukushima gefunden.

http://www.tagesschau.de/ausland/akwfukushima110.html

TEPCO announced that strontium-90 was also detected for the first time in ground water near the reactors’ buildings. A ground water sample taken on May 18, around reactor number 2, measured 6,300 becquerels per liter. And for reactor number one, the sample showed 22 becquerels. TEPCO explained it usually takes about 3 weeks to analyze the samples.

http://enenews.com/tepco-6300-bq-per-liter-of-strontium-90-found-in-groundwater

Strontium ist ein chemisches Element der II. Hauptgruppe, Symbol Sr, Ordnungszahl 38, Schmelzpunkt 768 Grad C, Siedepunkt 1380 Grad C, Dichte 2,67 g/cm3, unedles Metall, welches sich rasch mit dem Sauerstoff und der Feuchtigkeit der Luft verbindet. Strontium gehört mit seinen radioaktiven  Isotopen Sr 89 und  Sr 90 zu den gefährlichsten künstlichen Radionukliden. Physikalische Halbwertszeit 50,5 Tage bzw. 28,5 Jahre, die biologische Halbwertszeit ist mit 11 Jahren besonders lang. Beide Isotope zerfallen unter Aussendung von Betastrhlung . Sr 89 und Sr 90 gelangen über Fallout von Atomwaffentests und Abgaben von Kernkraftwerken in die Umwelt . Strontium ähnelt chemisch dem Calcium und wird an dessen Stelle in die Knochensubstanz eingebaut. Über die Nahrungskette reichert es sich in den Knochen an  und bestrahlt die blutbildenden Organe (Knochenmark), was zu Immunsystemschwächungen führen kann. Weitere mögliche Folgen sind Leukämie (Blutkrebs) und Knochenkrebs. Strontium steht im Verdacht, die Sterblichkeit von Säuglingen zu erhöhen. Sr 90 zerfällt in das radioaktive Yttrium, das sich besonders in der Hirnanhangsdrüse, dem Pankreas und den Eierstöcken anreichert. Die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) nimmt in der Steuerung des Hormonhaushalts eine zentrale Stellung ein, sie steuert Wachstum und Körperfunktionen. Schäden treten also insb. bei Embryos und Kleinkindern auf.

Lit.: P.Weish/E.Gruber: Radioaktivität und Umwelt, Stuttgart 1986
KATALYSE-Institut, Köln

Radionuklide

Bei einer Kernschmelze in einem Atomkraftwerk  gelangt radioaktive Substanz, sogenannte Radionuklide, in die Umwelt. Darunter Jod, Cäsium, Krypton, Tritium, Strontium, Uran und Plutonium. Radioaktives Jod und radioaktives Cäsium gehören zu den flüchtigen Stoffen, die sich mit der Luft verteilen. Strontium, Uran oder Plutonium dagegen binden sich an Staubteilchen in der Luft und werden als sogenannte Aerosole mit dem Wind manchmal Kilometer weit getragen. Keines der Radionuklide ist sicht- oder riechbar. Radioaktive Nuklide sind gesundheitsschädlich und können zum Tod führen. Menschen können sie, ohne etwas zu bemerken einatmen oder mit der Nahrung aufnehmen, so dass es zu einer Bestrahlung von innen kommt (interne Exposition). Es ist allerdings auch möglich, von außen radioaktiv bestrahlt zu werden (externe Exposition). Nicht die radioaktiven Stoffe selbst, sondern deren Strahlung ist so schädlich für die Gesundheit. Bei radioaktiven Stoffen zerfallen die Atomkerne nach und nach, indem sie mit großer Wucht kleinere Teilchen aus ihrem Inneren wegschleudern. Diese Teilchen wandeln sich dadurch um und verformen sich. Dieser Vorgang wird als radioaktive Strahlung bezeichnet. Auch im Körper aufgenommene radioaktive Stoffe zerfallen. Die Teilchen die dadurch entstehen werden als Radikale bezeichnet. Diese streben eine chemisch stabile Verbindung an. Entstehen diese Verbindungen, können sie zu DNA-Schäden bis hin zum Zelltod führen. Die Schwere der gesundheitlichen Schädigung ist von der Dauer der Bestrahlung und von der Intensität abhängig. Nach einem Atomunfall spielt die Nähe zum Unglücksort und die Dauer des Aufenthaltes am Unglücksort eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund werden nach einem Atomunfall die Anwohner im Umkreis von mehreren Kilometern so schnell wie möglich evakuiert.

Seit der Atomkatastrophe in Tschernobyl können Wissenschaftler die Wirkungen von bestimmten Radionukliden genau bestimmen. Der Aufnahme von radioaktivem Cäsium, vor allem Cäsium 134 und 137, über die Nahrung, das Trinkwasser und selten auch über die Luft führt dazu, dass sich der Stoff im ganzen Körper, vor allem aber im Muskelzellen und in den Nieren anreichert und dort das Gewebe nach und nach zerstört. Auch der Stoffwechsel im menschlichen Körper kann durch eine Überbelastung mit Cäsium gestört werden. Die Halbwertszeit für Cäsium beträgt 30 Jahre. Im Körper verbleibt es rund 110 Tage. Es gibt bisher keine medizinischen Maßnahmen, um die Strahlenbelastung durch Cäsium zu senken. Strontium 90 gehört zu den radioaktiven Stoffen, das sich in den Knochen bis hin zum Knochenmark einlagert und dort durch die ausgesendete Strahlung die Zellen verändert. Durch die Strahlung entstehen Knochentumore und Leukämie. Strontium 90 wird an Staubpartikel gebunden über die Luft oder die Nahrung aufgenommen. Die Halbwertszeit von Strontium liegt im menschlichen Körper bei 18 Jahren.  Strontium 90 kann mit einem normalen Geigerzähler im Körper nicht aufgespürt werden. Der Austritt von Plutonium ist besonders gefürchtet, da es zu den Ultra-Umweltgiften gehört. Plutonium schädigt den menschlichen Körper, besonders wenn es an Staubpartikel gebunden über die Luft eingeatmet wird. Plutonium kann aber auch über die Nahrung oder Wunden in den Körper gelangen. Wird Plutonium eingeatmet, reichert es sich vor allem in den Knochen, der Leber und den Lymphknoten an. Es kann zu Lungen-, Leber-, Blut- oder Knochenkrebs führen. Plutonium, das mit der Nahrung aufgenommen wird, kann zu einem großen Teil über den Magen-Darm-Trakt wieder ausgeschieden werden. Dennoch bleiben geringe Mengen des Giftes im Körper und schädigen ihn. Die Halbwertszeit von Plutonium in der Umwelt beträgt 24.000 Jahre. Im menschlichen Körper schwankt sie zwischen 20 und 100 Jahren. Radioaktives Jod – Jod 129 und 131 – wird hauptsächlich kurze Zeit nach einem Atomunfall eingeatmet oder über die Nahrung oder Trinkwasser aufgenommen, weil es eine kurze Halbwertszeit von acht Tagen besitzt. Es ist sehr flüchtig und wird so über die Luft über weite Entfernungen verteilt. Einmal im Körper setzt es sich vor allem in der Schilddrüse fest und kann langfristig zu Schilddrüsenkrebs führen. Um eine Strahlenbelastung mit radioaktivem Jod zu verhindern, kann man vor einer Verstrahlung Jodtabletten einnehmen. So ist die Schilddrüse ausreichend mit Jod versorgt und braucht nicht mehr das gesundheitsschädliche radioaktive Jod aufnehmen.

http://www.n-tv.de/Spezial/Wie-wirken-Radionuklide-article2839491.html

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