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power – strom und macht

Kernschmelze und 5,88 Millisievert pro Stunde in Tokio und…?

Susanne Gerber

07.06.2011

„Drei Monate nach Beginn der Natur- und Atomkatastrophe in Japan ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima weiterhin außer Kontrolle. Die Regierung bestätigte am Montag, dass es bereits kurz nach Beginn der Katastrophe in den Reaktoren 1 bis 3 des AKW zu Kernschmelzen gekommen war. Die in den ersten fünf Tagen seit dem Beben und dem Tsunami in Fukushima am 11. März freigesetzte Radioaktivität sei mit 770.000 Terabecquerel doppelt so hoch gewesen wie zunächst geschätzt. Das gab die Atomaufsichtsbehörde bekannt. Die Regierung erwägt, wegen der langfristigen Strahlenbelastung noch mehr Menschen außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone zum Verlassen ihrer Häuser aufzufordern. Der Betreiber der Atomruine, Tepco hatte bereits im Mai bekannt gegeben, dass die Kernbrennstäbe in Reaktor 1 zum größten Teil geschmolzen sind. Zu dem Zeitpunkt hatte Tepco erklärt, dass dies möglicheweise auch in den beiden anderen Reaktoren passiert sei. Das wurde von der Behörde jetzt bestätigt. “

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-06/japan-atom-kernschmelze

Die Menge an Kernbrennstoff im KKW Fukushima 1

In obiger Tabelle werden sogenannte Assemblies aufgeführt. Das ist ein Paket aus 60 Brennstäben. Jedes Paket wiegt 170 kg. Multipliziert man den Wert 10.661 mit 0,170 Tonnen, kommt man auf 1800 Tonnen Brennstoff-Material. Dieser Wert deckt sich ungefähr mit den Angaben aus dem Protokoll von Tepco. 1000 Tonnen lagern im shared-pool und sollen weniger radioaktiv sein. Aber auch diese müssen weiterhin gekühlt werden !

Download Inspektions-Protokloll-Dez2010-Tepco

Insgesamt entliess und entlässt das Kraftwerk Fukushima I also 2800 Tonnen höchst- und hochradioaktives Material in die Umwelt. Davon ist ein Teil durch die bereits stattgefundenen Explosionen in die Atmossphäre und in die Umgebung des Kraftwerks gelangt. Die weitere Dampf- und Rauchentwicklung und etwaige weitere Explosionen werden den Luftraum weiter belasten. Ein anderer Teil der radioaktiven Substanz wird durch Kühl- und Regenwassermassen in den Pazifischen Ozean und das Grundwassersystem Japans gespült. Auch dieser Prozess ist seit Wochen im Gange und wird im Wesentlichen unaufhaltsam fortschreiten. Die Tausenden von Tonnen kontaminierten Wassers, die sich noch in den Gebäuderuinen des Kernkraftwerks befinden, sind nur ein Bruchteil des Wassers, der bereits in die Umwelt gelangt ist und weiterhin gelangen wird. Chemische Reaktionen der freiliegenden, geschmolzenen, radioaktiven Masse  mit den Baustoffen der Anlage wie Beton, Stahl, Blei, andere Metalle, Kunststoffe, Schmiermittel und Öl, führen zur Bildung erheblicher Mengen von giftigen Stoffen, die gasförmig und, oder wasserlöslich die Umwelt vergiften.

Die Strahlung

Im havarierten japanischen Atomkraftkraftwerk Fukushima I ist ein Anstieg der Radioaktivität gemessen worden. Wie die Betreibergesellschaft Tepco mitteilte, wurde in Block 1 eine Strahlung von 3000 bis 4000 Millisievert pro Stunde gemessen. Das ist die höchste bisher in der Luft gemessene Radioaktivität in der schwer beschädigten Anlage. Die Messdaten bedeuten, dass Arbeiter innerhalb von vier Minuten der höchsten zulässigen jährlichen Strahlendosis von 250 Millisievert ausgesetzt wären. Und dies, obwohl die japanische Regierung die zulässige Dosis nach der Havarie hochsetzte. Vor der Reaktorkatastrophe galt für Beschäftigte in Atomanlagen noch ein Grenzwert von 100 Millisievert pro Jahr.

http://www.tagesschau.de/ausland/akwfukushima102.html

Die Meldung, mit welcher die NISA die Welt nun überraschte, war die plötzliche Verdoppelung der angenommenen Mengen in die Umwelt gelangten radioaktiven Materials. Man geht seitens der japanischen Aufsichtsbehörde nun von einer Gesamtmenge von 770.000 Terabecquerel aus. Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet das Präfix tera Billionen. Um ein Gefühl zu bekommen, um welche Ausmaße an radioaktiven Stoffen es hier geht – diese Zahl bedeutet, dass das ausgetretene Material, sei es beispielsweise Jod 131, Caesium 134 oder 137, insgesamt ein Zerfallspotential besitzt, bei dem in jeder Sekunde 770.000 Billionen mal ein Atom zerfällt und damit eine Ladung aussendet. In der Masse dieser Zerfallsvorgänge entsteht dann die Strahlung. In Europa darf derzeit ein Kilogramm eines Lebensmittels, außer Milch und Babynahrung, bis zu 1.250 Becquerel radioaktiver Stoffe enthalten, bevor es nicht mehr verzehrt werden darf. Man kann sich leicht ausrechnen, wie viel organische Substanz verseucht werden könnte und verseucht worden ist. http://www.suite101.de

Video: 5,77 microsieverts per hour in Tokyo

I am 135 miles / 220 Km south of Fukushima, on the outskirts of the Tokyo area. It is Tuesday, June 7th […] I just walk outside of my house and …. radiation. The air is not dangerous but the ground is. The radiation is much higher in low lying areas and the government here is desperately trying to keep it quiet.

http://enenews.com/5-77-microsieverts-per-hour-of-radiation-measured-near-tokyo-at-ground-level-govt-is-desperately-trying-to-keep-it-quiet-video

Japanische Wissenschaftler haben am Montag genauere Bodenanalysen um das Kernkraftwerk Fukushima gefordert, nachdem außerhalb des Geländes des Kraftwerks nicht näher bezifferte Spuren des hochgiftigen Plutoniums etwa 1,7 Kilometer vom Kernkraftwerk entfernt gefunden wurden… In der Präfektur Fukushima begannen 80 Fachleute am Montag mit der Entnahme von Bodenproben zur Feststellung von Radioaktivität. Bisher hatten Messungen nur vom Flugzeug aus stattgefunden. Danach soll eine Karte der Radioaktivität erstellt werden.

http://www.faz.net/artikel/C31325/japan-mehr-radioaktivitaet-in-fukushima-30433689.html

Heute fand die erste Sitzung der auf Beschluss des japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan gebildeten unabhängigen Kommission für die Untersuchung der Ursachen der Havarie im Kernkraftwerk „Fukushima 1“ statt. Ihr gehören 10 Fachleute, unter anderem für die Seismologie, Radiologie und Kernkraftwerke und Juristen an. Sie sollen die Neutralität und die volle Durchsichtigkeit der Untersuchung der Havarie in „Fukushima 1“ sichern.  Die Kommission wird Empfehlungen zur Überwindung der Folgen der Havarie geben und Maßnahmen, darunter auch gesetzgebende, für die Festigung der Sicherheit in Kernkraftwerken und die Reformierung der Kontrollorgane in diesem Bereich vorschlagen. Man plant auch ausländische Experten, unter anderem aus Russland, den USA, Frankreich, China und Südkorea zu dieser Arbeit heranzuziehen.  ITAR TASS

Sind Strahlenschäden heilbar?

Mit der Angst vor dem Strahlentod lassen sich nach Fukushima plötzlich wieder Geschäfte machen. Diese Hoffnung jedenfalls treibt Pharmahersteller derzeit weltweit um. Manche, das berichtet ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), rufen direkt an und bitten unverhohlen um Marketinghilfe. Andere, wie die US-Biotechfirma Cleveland Biolabs in Buffalo, lancieren vermeintlich sensationelle Pressemitteilungen: Schon bald, so die Firma, könne der Durchbruch gelingen für ein Medikament, das den programmierten Zelltod strahlengeschädigter Zellen über die Gabe eines Proteins verhindere oder zumindest hinauszögere. Das Problem: Getestet wurde bislang nur an Mäusen, deren Leben teilweise um zwei Wochen verlängert werden konnte. „Überoptimistisch“ nennt solche Meldungen der Strahlentherapeut und Physiker Peter Huber, der am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg arbeitet: „Die Wissenschaft stochert leider noch im Heuhaufen herum, ohne das Gesamtbild im Organismus zu verstehen.“ Warum das so ist? Strahlung ist lokal kaum eingrenzbar und die Schäden sind entsprechend schwierig behandelbar. Und: „Strahlung ist in jeder Dosis schädlich.“ Wie schädlich, hängt ab von ihrer Höhe, Dauer und der Art der Exposition. Davon wiederum hängt ab, welche Organe besonders gefährdet seien, akut und langfristig. Generell empfindlich auf ionisierende Strahlung reagieren DNA und andere Zellbestandteile im Darm, Knochenmark, Lunge, Leber, Nerven, was zum Beispiel akute Auswirkungen auf das Blut haben kann: Hier kann Strahlung zu Gerinnungsproblemen führen und damit zu unstillbaren inneren Blutungen. Bei Beschädigung der weißen Blutkörperchen wiederum droht der Verlust jeglichen Entzündungsschutzes vor sonst harmlosen Bakterien. Vorübergehend auftreten können jedoch Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall sowie leichte Blutbildänderungen und bei Männern verminderte Spermienbildung. Da statistisch auch Mutationen in der DNA auftreten werden, gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für die Spätfolge Krebs. Als Wahrscheinlichkeitsabschätzung gilt unter Medizinern: Die Zunahme der Krebssterblichkeit beträgt 10 Prozent pro Sievert, also 2,5 Prozent pro 250 Millisievert. Umgerechnet auf das Risiko der japanischen Arbeiter bedeutet das: Erstens: Die normale Krebssterblichkeit liegt in Japan (wie in Deutschland auch) bei etwa 25 Prozent. Zweitens: Bei einer Belastung von 250 Millisievert steigt folglich das Risiko, an Krebs zu sterben, von 25 auf 27,5 Prozent. Drittens: Das entspricht einem relativen Unterschied von etwa zehn Prozent. Und ist damit – viertens – nicht unbeachtlich.

Zu der Frage, wie strahlenbedingte innere Blutungen im Magen-Darm-Bereich gestoppt oder zumindest verringert werden können, forscht derzeit das Aachener Pharmaunternehmen Paion, 28 Mitarbeiter klein. Paion will dazu das körpereigene Enzym Solulin, das normalerweise die Blutgerinnung regelt, aber durch Strahlen zerstört wird, gentechnologisch erzeugen und dem Körper nach einem Strahlenschaden wieder zuführen.

Zwar eruieren das US-Militär, die Weltraumbehörden Nasa und ESA sowie Strahlenmediziner und Pharmahersteller weltweit seit Jahrzehnten immer wieder, wie die Heilungschancen nach einer Schädigung durch ionisierende Strahlung oder nach der Aufnahme radioaktiver Partikel in den Körper gesteigert werden könnten. Doch das Problem: Bislang forscht jeder für sich, Kooperationen sind selten, ihre Finanziers knauserig. Das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Lobbyinteressen. Es liegt auch daran, dass die Erfolgsaussichten frustrierend sind: Wenn der Körper durchstrahlt wird, etwa weil Sie in unmittelbarer Umgebung eines havarierten AKWs leben, wenn also ein Schwall partikelloser Strahlungen durch Sie hindurchtritt, dann schützt Sie gar nichts. Dann führt das zu Multiorganversagen und zum Tod.

http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/das-geschaeft-mit-dem-strahlentod/

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